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A Deer Story (Pt. III)

Geschrieben von 1TAKE! | Veröffentlicht am 11.12.2020 | Animal Hybrid MC BM | 0 698


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Tag Zwei: Die Arbeit

Ich erwachte. Ich merkte es indirekt dadurch, indem sich meine Augen automatisch öffneten. Ich blickte um mich, auch die Anderen öffneten alle in wenigen Abständen ihre Augen. Eigenartig auf jeden Fall, da ich aber vergangenen Tages zu einem anthropomorphen Hirsch wurde, indem ich mich in eine warme Therme ließ, wunderte mich vorerst nichts mehr.

Einer der Hirsche erhob sich vom Boden, ein Zweiter tat es ihm nach und ein Dritter, bis sich irgendwann alle erhoben haben. Erst hier hatte ich gemerkt, dass einiger der Hirsche fehlten. Wo sie sich aufhielten, dazu komme ich gleich.

Wir gingen allesamt nacheinander die Tür hinaus auf den Flur. Und dieses Mal, in meinem Kopf konnte ich es nicht glauben, spürte ich keine sich schnell verändernde Temperaturschwankung von warm auf kalt. Und ich war mir sicher, dass es daran lag, weil dieser Körper, in welchen ich mich nach und nach immer mehr verwandelte, mir neue körperliche Eigenschaften des anderen Tieres gab. Gänzlich beeindruckt von dieser Tatsache, marschierte ich dennoch mit den anderen Hirschen mit, ohne dabei zu wissen, wohin wir eigentlich gangen.

Zeitgleich öffnete sich auf der anderen Seite dieses Flurs die Tür, welche in den Schlafraum der Weibchen führte und die Damen marschierten, ebenfalls wie wir zu Beginn der Reihe nach aus Diesem heraus. In ihren Blicken konnte ich den Ausdruck der Müdigkeit finden, doch als einige der Frauen einen Blick auf meinen nackten Körper erhaschten, welcher eine Zwischenform von Mensch und Hirsch war, erwachten sie plötzlich von ihrer inneren Trance. Ich fand diesen Anblick irgendwie faszinierend und doch irritierend zugleich. Aber ich ließ es über mich geschehen, da ich keine andere Möglichkeit hatte, als dies zu akzeptieren.

In der Zwischenzeit hatte ich endlich herausgefunden, wo die Männchen und Weibchen sich hinbegaben: in die Speisekammer. Der Ort, an welchem ich gestern mit den Anderen gespeist hatte.

Wir betraten den Raum und die Tische waren bereits reichlich gedeckt mit den verschiedensten Speisen, so zahlreich, dass es lange dauern würde, sie alle einzeln aufzuzählen. Alle setzten sich auf die Bänke; das dauerte eine gewisse Zeit. Irgendwann hatte jeder seinen Platz gefunden und aus einer weiteren Tür, welche wahrscheinlich in die Küche führte, kamen die restlichen Hirsche heraus, für welche noch die genaue Anzahl an Plätzen übrig war. Gleichzeitig waren es auch die Personen, welche ich am heutigen Morgen, nach dem ich aufgestanden war, nicht mehr liegen gesehen habe. Jedenfalls sagten die Köche anschließend, als sie sich ebenfalls hingesetzt haben, im Chor: “So speiset fürstlich!”. Kurz darauf fingen alle energisch an, nach den Leckereien zu greifen und diese genüsslich zu verzehren. Auch ich tat es ihnen nach, da ich, genau wie die Anderen, einen großen Hunger hatte.

In der Zwischenzeit unterhielten sich die Hirsche miteinander über die verschiedensten Themen. Ich nahm aber von ihren Gesprächen keinerlei Notiz, da meine Augen nur auf Amelia gerichtet waren. Sie redete mit niemanden, sie blickte nur auf ihr Essen und auf sonst nichts anderes. Ihr Blick verriet mir jedoch, dass sie keineswegs hungrig auf das Essen war. Vielmehr offenbarte ihr Blick einen gewissen Ausdruck der Traurigkeit, doch ich wusste nicht, weswegen. “Liegt es vielleicht an mir, dass sie so bedrückt aussieht?”, musste ich wohl gedacht haben. Und dennoch konnte ich nicht meinen Blick von ihr lassen. Dabei wusste ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht, ob ich sie wirklich liebte oder es einfach nur interessant fand, ihr Gesicht anzusehen.

Irgendwann, als niemand, einschließlich mir, mehr etwas zu sich nehmen wollte, erhoben wir uns von unseren Sitzen, ließen alles auf den Tischen liegen und verließen den Essensraum. Natürlich nicht alle; Diejenigen, welche sich mühevoll um das Frühstück gekümmert haben, mussten noch im Raum verweilen, um die übrig gebliebenen Reste, Teller und Bestecke in die Küche zurück zu bringen. Die Teller und das Besteck wurden höchstwahrscheinlich dort abgewaschen, was aber mit den Essensresten passierte, das wusste ich nicht.

Alle marschierten, diesmal die Männchen und Weibchen gemischt, einzeln durch die einzige Tür wieder zurück in den Flur und von dort aus durch die große, zweigeteilte Tür, welche zu den Thermen führte, wobei diesmal alle wild einander gewürfelt durch diese hindurch gingen. Alle setzten sich in die warmen, Wasserbecken hinein, diesmal waren aber wieder die Geschlechter voneinander getrennt. Lediglich eine Person von vielen hatte das Privileg bekommen, diese Geschlechtertrennung zu durchbrechen; ich selbst - wie gestern schon, baten mich die Damen darum, in ihr wohlig warmes Becken zu steigen. Und kaum war alles unterhalb meiner Taille im Thermalwasser verschwunden, fingen sie auch schon wieder an mit mir zu plaudern.

Während ich mich mit den Damen unterhielt, ist mir etwas merkwürdiges aufgefallen. Als irgendwann alle Personen in der Therme anwesend waren, einschließlich Derjenigen, welche sich in der Küche noch aufhalten mussten und später dazu gekommen sind, fehlte noch eine gewisse Person: Amelia. Bis zum Ende dieses Aufenthalts, bei welchem es wirklich lange andauerte, bis wir alle an diesem Punkt gelangten, ist Sie nicht erschienen. Weswegen, konnte ich mir nicht erklären. “Vielleicht will Sie sich einfach nur von mir fernhalten. Aber warum?”, dachte ich mir. “Ich habe ihr doch nichts angetan”.

Ich hatte zwar genügend Zeit gehabt, darüber nachzudenken, aber irgendwann wurde ich aus meiner Erinnerungstrance entrissen. Alle anderen erhoben sich aus den warmen Bädern und machten sich auf, erneut auf den Flur zu gehen. Und mir blieb nichts anderes übrig, als ihr Verhalten nachzuahmen. Als ich auch wie die Anderen keine flächendeckende Wassermasse an meinem Körper mehr hatte, bemerkte ich wohl oder übel - Eigentlich war es eher etwas schönes für mich - die neuen Veränderungen an mir.

Inzwischen war es für mich unmöglich, meine Füße vollständig auf den Boden abzustellen. Die Füße selbst waren länger geworden und wuchsen nun in die Höhe, während meine Zehen weiterhin auf dem Boden blieben. Dessen Nägel haben eine dunkelbräunliche Färbung erhalten und waren wesentlich härter geworden. Außerdem wuchsen meine großen und Zeigezehen zusammen, so auch bei meinen Mittel- und Ringzehen. Lediglich der kleine Zeh auf beiden Seiten wanderte meinen langgezogenen Füßen hinauf. Meine Beine haben des weiteren einiges an Muskelmasse dazugewonnen. Auch mein Geschlechtsteil blieb nicht von der Verwandlung verschont. Wie ich schon mehrfach sagte, habe ich mich, als ich noch menschlich war, für mein Schwänzchen geschämt. Wenn ich aber bis zu diesem Moment noch ein Mensch gewesen wäre, so würden die Frauen bettelnd und kreischend nach meinem Geschlechtsteil eifrig hinterher laufen wollen. Die Haut meines Hodensacks war geschmeidiger geworden, was möglicherweise auch damit zu tun haben könnte, dass Dieser straffer und noch weiter von meinem Körper abhing, als bei meinen ehemaligen und nicht mehr existenten, menschlichen Hodensack. Meine Hoden selbst fühlten sich größer und voluminöser an; ob dies wirklich so stimmte oder nur ein hervorgerufener Placeboeffekt meinerseits war, konnte ich in der damaligen Situation nicht feststellen. Mein Penis hatte die merkwürdigste Verwandlung hinter sich gebracht. Die Vorhaut meines Penisses hatte ebenfalls ein dichtes Fell spendiert bekommen und ist zusätzlich in seinem Durchmesser breiter, aber in seiner Länge kleiner geworden. Außerdem hätte ich spüren müssen, dass ich eine Erektion hatte, da mein (kleiner gewordenes) Geschlechtsteil aufrecht nach oben zeigte; doch mitnichten. Ich spürte absolut keine Form der sexuellen Erregung, warum auch immer. Mein ehemals abgeflachter und zäher Hintern war deutlich mehr abgerundet, ohne jedoch femenin zu wirken und war, ohne, dass ich etwas dafür tun musste, straffer und fester geworden. Oberhalb meiner Gesäßfalte, also dort, wo sich mein Steißbein befand, wuchs ein kleiner, nach oben gewachsener Stummel heraus, welcher mein Schwanz sein sollte. Groß war dieser noch nicht, vielleicht anderthalb bis zwei Zentimeter lang und zeigte noch etwas zu viel nackte Haut, als wirkliches Fell. Mein Körper hatte sich von einer schmächtigen Statur zu einem ansehnlichen, kleinen Muskelpaket entwickelt. Nicht das ich damit eine Bodybuilderkarriere starten konnte, aber dennoch wirkte ich zufrieden darauf, was diese Therme mit meinem Körper angestellt hatte. Auch meine Arme haben einiges an Muskelmasse zugelegt und meine Hände wirkten nun kräftiger. Ihre Anatomie hatte sich jedoch nicht verändert. Bedeutet, dass ich weiterhin fünf Finger hatte. Diese sind zwar ein Stück länglicher und auch dessen Nägel sind dunkler und härter geworden, dennoch wirkten sie größtenteils menschlich. Schließlich hätte ich sonst Probleme gehabt, Objekte jeglicher Art anständig zu greifen und festzuhalten. An meinem Hals hatte sich mehr Fell, als gewöhnlich gebildet; wahrscheinlich sollte mir dort eine Mähne wachsen. Mein Ober- und Unterkiefer sind deutlich länger geworden; Sie standen nun zwei bis drei Zentimeter von meiner üblichen Schädelstruktur ab. Meine Nase ist mitsamt des Oberkiefers nach vorne gewandert; dabei haben sich die Nasenlöcher nach vorne verbogen, sodass man nun direkt in Diese hineinsehen konnte. Meine Ohren haben ihre Position weiterhin einbehalten. Lediglich deren oberen Seiten haben sich leicht nach außen gewölbt und wanderten anschließend leicht schräg in die Höhe. Des weiteren war die Ohrmuschel beziehungsweise dessen Knorpelschicht dünner geworden. Im Inneren von Denen hatten sich bereits Haare gebildet, welche für eine außenstehende Person bereits sichtbar waren. Im wahrsten Sinne des Wortes “gekrönt” wurde meine Verwandlung nur noch dadurch, dass sich auf meinem Kopf die ersten Anzeichen eines Geweihs abbildeten. Diese waren aber zum damaligen Zeitpunkt noch klein, weich und weißlich und nicht wie bei den Anderen groß, prächtig, hart und bräunlich.

Diesmal fiel mir aber etwas merkwürdiges auf. Während ein Großteil der Hirsche wieder durch die zweigeteilte Tür hindurch liefen, ging ein anderer, eher kleinerer Teil von ihnen in die genau entgegengesetzte Richtung zu einer weiteren Holztür. Ich konnte zwar mit meinen Augen gerade noch so erkennen, dass der Raum dahinter, wie all die anderen auch aus Holz verziert war, mehr aber auch nicht, da ich mich instinktiv mit der anderen Gruppe mitbewegte; Schwarmintelligenz.

Der Hirsch, mit welchem ich bereits an den zwei vorherigen Tagen eine eher unfreiwillige, kurze Bekanntschaft machen durfte, drängte sich durch die Hirschmenge nach hinten zu mir durch und als er sich neben mir befand, fing er an, über ein paar der wichtigsten Gegebenheiten dieser Gemeinschaft zu sprechen. Er hatte mich nicht einmal gefragt, ob ich diese überhaupt hören wollte; er tat es einfach. “Wie du sicherlich mitbekommen hast, sind ein paar aus unserer Gemeinschaft gerade eben durch eine andere Tür gegangen, richtig?”. Ich nickte. “Diese Tür führt nach draußen in die Natur. Auch du wirst eines Tages durch diese Tür durchtreten, aber erst, wenn du selbst merkst, dass du bereit dafür bist”. Ich musste wohl ein fragendes Gesicht aufgesetzt haben. Denn anders konnte ich es mir nicht erklären, warum er sprach, “Achso, du verstehst das noch nicht. Lass es mich dir erklären. Ich denke, es ist mehr als offensichtlich, dass dieser Ort etwas mit uns macht. Nicht nur die Therme, sondern buchstäblich dieser ganze Ort. So als wäre er magisch. Niemand weiß, wie diese Magie funktioniert oder was sie als nächstes tut. Wir wissen nur, dass sie Dinge machen lässt”.

“Was denn zum Beispiel?”, fragte ich mit der Neugierde eines Kindes.

“Wenn zum Beispiel eine neue Person in unserer Gemeinschaft aufgenommen wird, aber der Ort selbst zu klein für einen neuen Platz ist, macht diese Magie diesen Ort größer, ohne jedoch, dass wir etwas davon mitbekommen. Aber auch, was wir zu tun haben legt die Magie fest”. Erneut breitete sich ein fragendes Gesicht über mich aus. “Okay, ich habe dir ja gerade gesagt, dass einige aus unserer Gemeinschaft durch eine andere Tür rausgegangen sind, richtig?”. Ich nickte. “Was ich auch gesagt habe, ist, dass du auch eines Tages dort durch gehen wirst. Du wirst es selbst irgendwann merken. Die Magie wird es herrichten”.

“Aber wie?”.

“Das kann ich dir nicht beantworten. Was ich aber sagen kann, es ist ein Gedanke, welcher in deinem Kopf auftaucht. Du weißt nicht, woher dieser Gedanke kommt und du bist dir auch nicht einmal sicher, ob du selbst auf diesen Gedanken gekommen bist. Du weißt einfach nur, dass du es machen möchtest”.

“Und was wenn ich selbst es gar nicht will?”.

“Du kannst mir glauben: dieses Gefühl wird nicht auftauchen. Woher ich dies weiß? Ich bin seit einigen Jahren hier und bisher hatte ich mir noch nie diese Frage gestellt. Du musst nämlich wissen, unser Gehirn funktioniert bei uns erheblich anders, als bei den Menschen. Klar, du behälst deine menschlichen Eigenschaften, Erinnerungen, Träume, Gefühle und Sorgen, du wirst sie nur anders wahrnehmen”. Ich wollte ihn gerade mit einer weiteren Frage durchlöchern. Ich wollte unbedingt wissen, wie er dies meinte. Doch darauf sagte er zu mir, “Es tut mir Leid, aber ich muss in einen anderen Raum. Hab dort eine Arbeit zu verrichten”. Anschließend deutete er mir mit seinem Zeigefinger auf eine Tür. “Fürs erste sollte es reichen, wenn du durch diese Tür hindurchgehst und dich mit der Arbeit der Anderen anschließt”. Er entfernte sich immer weiter von mir, drehte sich aber noch ein letztes Mal zu mir um und sagte mir ins Gesicht, “Keine Sorge. Du wirst dich schneller hier einleben, als du denkst”. Darauf entfernte er sich immer weiter von mir. Und da ich nicht wusste, was anderes ich tun konnte, folgte ich seinem Ratschlag und ging durch die von ihm gezeigte Tür.

Auf der anderen Seite angekommen betrat ich zunächst einen weiteren Holzboden. Doch vielleicht zwei Meter weiter bestand der Boden aus brauner Erde; diese Ebene befand sich zehn bis fünfzehn Zentimeter unter der Holzplakette. Auf der Erde selbst standen schon einige der Hirsche mit Werkzeugen in ihren Händen, welche vom Aussehen den Nutzen der Landwirtschaft entsprachen. Kurze Zeit später wurde meine Vermutung bestätigt, denn der erste von ihnen fing bereits an mit einem Pflug das Feld zu pflügen. Auch die anderen begannen mit ihrem Teil der Arbeit. Einer von ihnen, ein Weibchen, um genau zu sein, schaufelte in der Erde herum, ein anderer wiederum goss mit einer Art Gießkanne ein paar Bäume, welche sich auf der anderen Seite dieser Halle befanden. Und ich stand mittendrin und wusste nicht, was ich tun sollte. Doch irgendwann kam ein Hirsch auf mich zu und fragte mich, ob ich bei seiner Arbeit mithelfen könnte. Es sollte darum gehen, Samen von Pflanzen in die Erde hineinzulegen. Noch etwas verunsichert nahm ich dennoch die Aufgabe an und half mit.

Jeder Einzelne kümmerte sich um einen bestimmten Teil auf dem Felde. Und wenn diese Person merkte, dass sein Teil verrichtet war, so schaute Diese sich um, um bei den anderen mitzuhelfen. Zu Beginn war also jeder vorerst auf sich gestellt, doch je weiter der Tag voranschritt, desto mehr merkte ich, wie sehr wir voneinander profitierten. Auch nachdem unsere Arbeit vorerst niedergelegt war und wir alle auf dem Feld uns hinlegten, um eine Pause zu machen, merkte ich weiterhin, dass wir eine Gemeinschaft waren, welche sich gegenseitig respektierte. Und sie akzeptierten auch mich als Teil Dieser. Mir standen deshalb ein bisschen die Tränen nahe, weil dies seit längerer Zeit das erste Mal war, wieder akzeptiert zu werden; als Das, was ich bin und nicht als Das, was ich sein soll.

Nach der Pause kümmerten wir uns darum, die mittlerweile fertig gewachsene Pflanzen, zu pflücken und aus der Erde zu entnehmen. Also war nicht nur die Therme, sondern dieser Ort wirklich magisch, wie mir die Person gesagt hatte. Als die Pflanzen fertig geerntet und in Holzkisten verstaut waren, gingen wir allesamt auf die Holzempore, wuschen unsere Hufen in einem Eimer gefüllt mit Wasser ab, gingen durch die Holztür zurück in den Flur und von dort aus in die Speisekammer. Dort angekommen gingen wir durch eine weitere Tür hindurch, welche in die Küche führte. Anschließend stellten wir die Kisten an ihren vorbestimmten Platz. Und obwohl ich keine Ahnung haben sollte, wo sich diese Plätze befanden, stellte ich sie einfach instinktiv an ihren Ort, von dem ich der Ansicht war, dass es richtig sei. “Hat die Magie bereits Einfluss auf mein Gehirn?”, fragte ich mich deshalb. Unabhängig davon, ob es gestimmt hätte oder nicht, ich empfand seltsamerweise keine Angst.

Als wir auch damit fertig waren, verspürte ich auf einmal in mir eine Lust, mich austoben zu müssen. Meiner Gruppe ging es anscheinend ähnlich und so begaben wir uns auf den Flur zurück und gingen von dort aus durch eine für mich neue, fremde Tür. Auf der anderen Seite angekommen, befanden wir uns in einem Raum, welcher für die menschliche Form der Logik nicht funktioniert hätte. Es war eine großflächige Wiese, auf welcher frisches, weiches Gras wuchs. Die Landschaft selbst bot auch einige Hügel, welche allerdings sehr breit und abgeflacht waren. Dazu konnte ich so etwas wie einen Himmel mit gelblichen Sonnenschein erkennen; und das im Winter und in einer Art Höhle. Doch ich dachte nicht darüber nach, weil ich dies nicht mehr brauchte.

Plötzlich berührte mich einer der Weibchen mich mit ihrem Zeigefinger an und rannte von mit strahlendem Gesicht von mir weg. “Los, fang mich!”, rief sie glücklich zu mir rüber.

“Na, warte!”, rief ich zurück. “Ich werde dich schon noch kriegen!”. Und anschließend rannte ich los. Die anderen taten es mir nach und versuchten sich von mir zu distanzieren. Doch ich beachtete sie nicht, sondern fokussierte mich ausschließlich auf das Weibchen, welches mich unvorbereitet getickt hatte. Mir ist dabei nicht aufgefallen, wie unfassbar schnell ich gesprintet bin. Trotz der Tatsache, dass ich, als ich noch ein Mensch war, nach außen geknickte Füße hatte, welche mir das rennen etwas erschwerten. Und nicht nur das habe ich augenscheinlich ignoriert. Auch meine Ausdauer hatte sich deutlich erhöht. Bedeutete im Umkehrschluss, dass meine Höchstgeschwindigkeit deutlich höher lag, diese schneller erreichbar war und darüber hinaus ich Diese auch deutlich länger halten könnte; mit anderen Worten: eine Win-Win-Win-Situation.

Wie aber gesagt, ich ignorierte meine neu gewonnenen Fähigkeiten und konzentrierte mich ausschließlich darauf, das listige Weibchen zu fangen. Und ich schaffte es erstaunlicherweise ziemlich schnell. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Tatsache, dass meine Füße noch keine vollständigen Hufen waren.

Nachdem ich sie jedenfalls getickt hatte, versuchten alle, einschließlich mir, sich diesmal von ihr immer weiter zu entfernen. Dann wurde der nächste aus unserer Gemeinschaft getickt, alle entfernten sich wieder von dieser Person. Das ganze entwickelte sich zu einem niemals enden wollenden Kreislauf. Und wir hatten allesamt großen Spaß dabei, so als wären wir wieder Kinder gewesen.

Abseits vom gegenseitigen jagen, tauchen wir anschließend unsere Unterkörper im Wasser des anliegenden Flusses und legten uns anschließend auf die Wiese hin. Dort redeten wir miteinander, legten unsere Köpfe teilweise auf die Bäuche der Anderen und massierten uns gegenseitig. Amelia soll zwar die Beste auf diesem Gebiet sein, doch wir taten uns gegenseitig eine Freude damit.

Irgendwann bewegten wir uns instinktiv zu der Holztür mitsamt Holzempore zurück. Ich wusste nicht, warum ich mich ihnen anschloss, aber ich wusste, dass es gut für mich sein sollte. Wir gingen nacheinander durch die Tür und kamen wieder im Flur an und von dort gingen wir in die Speisekammer.

Die restliche Gemeinschaft wartete bereits sehnsüchtig auf uns, begrüßte uns mit einem enthusiastischen, “Hey!”, und anschließend setzten wir uns auf die übrigen Plätze der Bänke hin. Wie auch am heutigen Morgen kamen die restlichen Personen aus der Küche, hielten die letzten Speisen in ihren Händen und platzierten diese auf die Tische. Darauf setzten sie sich hin und sprachen die Worte aus, “So speiset fürstlich!”. Kurze Zeit später griff jeder aus der Gemeinschaft mit seinen Händen nach vorne, um sich eine der zahlreichen Speisen auf den Tisch zu legen. Ich tat es ihnen nach.

Diesmal bin ich leichter in die Konversation hineingeraten und redete offen, ehrlich und mit einer Freude darüber, was ich heute alles gemacht, erlebt habe und worüber ich stolz war. Dabei konnte ich nicht, wie auch beim Frühstück schon, nicht den Blick von Amelia lassen. Sie war zwar etwas weiter weg, als heute morgen, doch das hinderte mich nicht davon ab, in ihr Gesicht zu blicken. Auch hier redete sie mit keinem von uns, sondern konzentrierte sich weiterhin auf das Essen. Das Gesicht zeigte ebenfalls einen Ausdruck der Trauer; der Mund war horizontal, die Augen leicht zusammengekniffen, die Augenbrauen hingen an den Seiten etwas runter. Während ich dabei weiter ihr Gesicht betrachtete, baute sich in mir ein Gefühl auf, so als würde ich schweben. Ob das aber schon ein Ausdruck der Liebe war, konnte ich nicht sagen.

Als alle anschließend fertig mit dem Essen waren, machte sich der Großteil der Gemeinschaft auf in die Therme. Diejenigen, welche das Essen zubereitet haben, mussten jedoch noch in der Speisekammer verweilen, da sie sich auch um den Abwasch und um das abräumen kümmern mussten. Jedenfalls, in der Therme angekommen, luden mich die Damen ein, wieder in ihre Therme zu steigen. Freundlich wie ich war, ließ ich ihnen diesen Wunsch erfüllen. Wieder durchströmte in mir diese gewisse Energie, welche ich nicht wirklich zuordnen konnte, bei der ich allerdings wusste, dass sie bei mir eine Verwandlung einleiten würde.

Ich akzeptierte jedoch das Vorhaben dieser Energie auf meinen Körper und unterhielt mich mit den Damen; oder eigentlich formuliert, sie wollten sich mit mir unterhalten. Doch das machte mir nichts aus und so ließ ich mich auf sie ein. Trotz der vertieften Unterhaltungen, welche ich mit ihnen führte, fiel mir auch dieses Mal auf, dass Amelia nicht anwesend war. “Vielleicht bin ich wirklich in sie verliebt, so oft und mitfühlend wie ich an sie denke”, dachte ich mir. Also fragte ich die Damen, was denn mit Amelia los sei. Alle versicherten mir aber, dass sie nichts wüssten. Zwar sagte mir Mala, dass sie einst als Masseur arbeitete, was zumindest erklären würde, weshalb sie über derart geschickte Finger verfügte, aber auch dies beantwortete meine Frage nicht gänzlich. Darauf wechselte ich schnellstmöglich das Gesprächsthema, da es ansonsten unangenehm für mich geblieben wäre. Die Damen ließen sich zwar darauf ein, aber ob sie dies wirklich so meinten oder nur taten, konnte ich nicht feststellen.

Nach einigen Stunden signalisierten die Männchen in den anderen Thermen nur anhand ihrer Körpersprache, sich vom Wasser zu erheben und in die Schlafgemächer zu gehen. Ich wollte es ihnen gerade nachahmen, als mich Mala fragte, ob ich nicht zu den Frauen mitkommen wollte, um mit ihnen gemeinsam zu schlafen. Ich brachte nur ein simples, “Okay?”, aus meinem Munde, doch so wie Sie es sagte und zeitgleich auf mich blickte, stellte ich in meinem Inneren die Vermutung auf, dass sie in mich verliebt war. Ich wollte diesen Gedanken weiterführen, doch nachdem meine Antwort gefallen war, erhoben sich nun auch die Damen aus dem warmen Wasser, so darauf auch ich; mitsamt eines abgebrochenen Gedankens. Als mein Körper dabei die Luft berührte, bemerkte ich wieder meine neue Veränderungen in meinem Blickfeld.

Menschliche Zehen waren nicht mehr erkennbar für mich. Stattdessen nur noch zwei gewaltige, aus mehreren, dichten Keratinschichten bestehende Hufen, welche eine Länge von knapp zehn Zentimetern aufwiesen. Meine kleinen Zehen sind weiterhin nach oben gewandert, haben sich in der Mitte offenbar geteilt und sind auf jeder Seite jeweils zu zwei kleinen “Hörnern” gewachsen; sofern man diese überhaupt nennen kann. Des weiteren sind die Füße selbst unfassbar stark in die Höhe gewachsen. Das Fell ist auf meinem gesamten Körper immer dichter geworden; es gab nur noch wenige Stellen, auf denen man meine eigentliche Haut noch erkennen konnte. Beine, Körper und Arme sind weiterhin muskulöser geworden, wenn auch nur noch minimal. Mein Schwanz, welcher mir aus dem Steißbein heraus wuchs, hatte nun eine beachtliche Länge von sechs bis acht Zentimetern erreicht, welcher darüber hinaus auch wesentlich mehr Fell auf der Oberfläche hatte. Auch die Finger und Handflächen sind weiter angewachsen und die Fingernägel haben sich, wie meine Hufen, verhärtet und haben eine dunkelbräunliche Färbung erhalten. Mein Kiefer stand nun vier bis fünf Zentimeter von meiner Schädelform ab und die mitgewachsene Nase war schwarz und kalt. Die menschliche Haarpracht auf meinem Kopf war vollständig verschwunden, was mich aber nicht weiter gestört hatte, da sich ohnehin die ersten Anzeichen eines Haarausfalls sichtbar gemacht haben. Im Gegenzug sollte mein neues und erstes Geweih zu der neuen Pracht meines Kopfes werden; es war schon wesentlich weiterentwickelter, als heute Morgen und ohne den Vergleich der anderen Männchen, hätte mein Geweih zumindest bei einigen Weibchen einen mächtigen Ausdruck von Stärke und Stolz geben können.

Gemeinsam schritten wir alle gemeinsam durch die große Holztür und von dort aus zu den Schlafräumen. Jeder ging hierfür zu seinem vorbestimmten und von den Geschlechtern getrennten Platz, bis auf meine Wenigkeit. Mala hatte mir das Angebot gemacht, gemeinsam mit ihr bei den Weibchen zu schlafen; sowohl ich, als auch die Damen haben diesen Vorschlag angenommen.

Im Schlafraum angekommen legten wir uns auf dem weichen Boden. Der Unterschied zu den Männchen war es, dass die Damen versuchten, sich eng an mich zu kuscheln. Ob sie dies auch alleine taten oder einfach nur, weil ein Hirsch des männlichen Geschlechtes anwesend war, konnte ich nicht feststellen. Dabei war mir nicht einmal kalt, sodass ich die Körperwärme der anderen benötigt hätte. Aber ich wollte auch keinen Widerspruch einlegen, als ließ ich die Damen in Ruhe. Kurze Zeit später war ein Großteil meines Körpers von anderen Körpern bedeckt. Eine der Weibchen hatte ihren Kopf auf einen meiner Arme gelegt, zwei Köpfe lagen schlummernd auf meinen beiden Brustmuskeln und wieder eine Andere hatte sogar ihren Hinterkopf auf mein Gemüt abgestützt. Es tat nicht einmal weh und ich verspürte auch keine Form der Erregung, aber ich konnte mir dennoch erahnen, auf was diese Dame es abgelegt hatte. Ein letztes Mal schaute ich mich um, doch auch hier konnte ich Amelia nicht sehen. Doch ehe ich weiter darüber nachdenken konnte, hatte mein Gehirn die Information an meinen Körper weitergeleitet, einschlafen zu wollen.


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