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A Deer Story (Pt. IV)

Geschrieben von 1TAKE! | Veröffentlicht am 01.01.2021 | Animal BM | 0 788


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Tag Drei: Die Liebe

Mein Körper erwachte irgendwann aus seinem tiefen Schlaf. Ich merkte, dass ich nicht mehr einschlafen wollte und konnte, doch ich wollte noch ein bisschen weiter liegen bleiben. Doch in meinem Umfeld sah ich, wie einige der Weibchen sich von ihrer Liegeposition erhoben und bereits anfingen, sich im Stehen zu strecken. Als Mensch hätte ich mit Sicherheit bei diesem Anblick eine Erektion bekommen, aber als Hirsch verspürte ich kein Verlangen an ihr, da ich sowohl ihre, als auch die Nacktheit der Anderen akzeptierte. Und darüber hinaus war sie für mich viel zu alt gewesen, um etwas mit ihr anfangen zu wollen.

Ich blickte mich um, jedoch sah ich nicht alle, sondern nur eine kleine Anzahl von uns aufstehen, mich mit eingeschlossen. Die anderen Seelen schliefen derweilen ruhig und gelassen weiter, so als würde nichts besonderes um Sie geschehen. Ich war verwirrt über diesen Anblick gewesen, denn gestern, als ich bei den Männern geschlafen habe, sind alle zur gleichen Zeit aufgewacht und -gestanden. Also bewegte ich mich vorsichtig mit meinen eleganten Hufen über die noch schlafenden Frauen hinweg, schlenderte gemeinsam mit den Erwachten aus dem Raum hinaus und fragte bei der Ältesten, bezüglich dieser Diskrepanz, nach. Sie sagte mir, dass es jeden Tag ein paar Individuen geben wird, welche vor dem Rest der Gemeinschaft erwachten. Diese sollen sich um das Frühstück und Abendessen des gesamten Tages kümmern. Wer aber diese täglich neu ausgewählten Personen sein werden, weiß keiner; Abgesehen von der Magie, sofern man Diese überhaupt personifizieren kann.

Gemeinsam mit den Anderen ging ich durch die offene Tür hinaus auf den Flur. Auch die Tür zu der Schlafkammer der Männer stand offen und wie auch bei uns, traten die Auserwählten des heutigen Tages hinaus. Wir gingen darauf gemeinsam in den Speiseraum und von dort aus in die Küche. Und ich staunte nicht schlecht, als sich die gesamte Ausstattung vor mir erblickte.

Ein gewaltiger Ofen, welcher mit Holzfeuer beheizt wurde und buchstäblich “obendrauf” noch mehrere Herdplatten besaß. Dutzende Schränke erschlossen sich über die gesamte Küche, welche womöglich größtenteils mit den verschiedensten Zutaten, aber auch mit Besteck, Tellern, Schüsseln und großen Schalen gefüllt waren. Eine kleine Abstellkammer auf der anderen Seite des Raumes verriet mir, dass sich dort wahrscheinlich noch mehr Zutaten befanden, welche zwar auch gelagert, aber größtenteil konserviert wurden.

Ohne, dass wir uns gegenseitig etwas abgesprochen haben, machte sich jeder von uns an die Arbeit, ohne dabei dem Anderen im Weg zu stehen. Der Hirsch von gestern hatte also Recht behalten. Jeder von uns hatte ein Verlangen davon, welches ihm am meisten Freude bereitete und die Magie dieses Ortes scheint sich darauf für ihn anzupassen. Niemand schien ein Problem damit zu haben, weil sie es akzeptieren und glücklich damit zu sein scheinen. Und ebenfalls Niemand hält Irgendjemanden davon ab, diese Tätigkeit auszuführen, weil jeder seine eigenen Tätigkeit hat, um welche Sie sich mit Freude kümmern wollen. Ich denke, dass ihre Gehirne aufgrund ihrer Verwandlungen das Konzept der Missgunst, des Hasses und Neides verlernt haben - Für Menschen wäre es undenkbar, diese Bestandteile ihrer Persönlichkeit niederzulegen, weil Sie es entweder nicht können oder wollen ~ Dementsprechend bin ich mir sicher, dass alle Menschen sich in diesen Eigenschaften wohlfühlen, auch wenn viele dies nicht zugeben wollen.

Ich hatte an diesem Tage für mich selbst das Verlangen, die Tische in dem Speiseraum decken zu wollen. Obwohl ich nicht wissen konnte, wo sich die Teller und das Besteck befinden sollte, ging ich völlig instinktiv zu einem der zahlreichen Schränke hin und erwischte die richtige Tür beim ersten Anlauf. Mit diesen Utensilien in meinen Händen ging ich zurück in den Speiseraum und deckte die Tische. Zunächst war ich der einzige, welcher sich mit dieser Tätigkeit befasste. Doch als ich die Hälfte der Plätze gedeckt hatte, kamen aus der Küche zwei weitere Leute; ein Mann und eine Frau. Ohne mich nachzufragen, griffen sie nach den Tellern und dem Besteck und halfen mir dabei, mit dieser Tätigkeit ein bisschen schneller fertig zu werden, auch wenn ich es meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte. Wir alle unterhielten uns sogar ein wenig, während wir gemeinsam die Arbeit verrichteten.

Als alle Plätze gedeckt waren, gingen wir gemeinsam wieder in die Küche zurück. Ich war über die Tatsache überrascht, wie weit sie mit dem Zubereiten der Gerichte vorangekommen waren. Entweder waren sie einfach nur schnell in ihrer Arbeit oder ich habe mich sehr lange mit meiner Arbeit beschäftigt. Unabhängig davon, ging ich zu einer Frau, stellte mich neben sie und half ihr beim schneiden des noch nicht gekochten Gemüses.

Die gänzlich stille Küchenakrobatik ging noch eine ganz Weile so weiter. Immer wieder wechselten die Leute ihre Plätze, halfen dementsprechend dort weiter oder trugen das Essen in großen Holzschalen oder -platten nach draußen. Auch bei mir war dieses Verhalten keine Ausnahme. Doch irgendwann, als ich um mich blickte und sah, wie die Zubereitung sich langsam dem Ende neigte, hörte ich durch meine ausgeprägten Ohren außerhalb der Tür mehrere Schritte, welche in den Essensraum hineintraten; “Die Magie des Ortes hatte sie zur perfekten Zeit aufgeweckt”, habe ich gedacht, glaube ich. Als nach einer gewissen Zeit die Schritte verstummten, setzten wir uns darauf in Bewegung und brachten die letzten und vor wenigen Sekunden fertig zubereiteten Mahlen nach draußen. Dort stellten wir diese auf die Tische, setzten uns zu den noch übriggebliebenen Plätzen und sagten gemeinsam im Chor, “So speiset fürstlich!”. Ich war zwar etwas außerhalb des Taktes, aber für das erste Mal war es gut genug.

Wie an den anderen Tag zuvor auch, aßen wir alle genüsslich die verschiedenen Mahlen, unterhielten uns und schienen Glücklich zu sein. Aber auch hier merkte ich erneut Amelia an, wie sehr Sie sich wieder auf das Essen fokussierte und alles um sich herum zu ignorieren schien. Einmal konnte ich aber doch sehen, wie sie in meine Richtung und anschließend in meine Augen geschaut hatte. Dieser Moment war von kurzer Dauer. Und dennoch war Dieser lang genug, dass ich diesmal wirklich merkte, dass ich mich in sie verliebt hatte.

Nach einer gewissen Zeit, welche ich jedoch nicht genau definieren konnte, da mein Gehirn dieses menschliche Verständnis bereits völlig verlernt hatte, machte sich die Gemeinschaft auf dem Weg nach draußen, um anschließend in den Thermen zu baden. Amelia stand auf und ich wollte ihr hinterher, doch die Restlichen, welche im zurückblieben, erinnerten mich daran, dass wir uns auch um den Abwasch kümmern müssten; dabei drehte ich meinen Kopf zu ihnen. Und als ich wieder in die Masse zurückschaute, um Amelia zu finden, konnte ich sie nicht mehr erblicken; sie war bereits untergetaucht.

Etwas niedergeschlagen, machte ich mich, gemeinsam mit der Gemeinschaft, auf, die Tische abzuräumen. Teller, Besteck und Schalen brachte ich dabei wieder zurück in die Küche, wo die Anderen sich um den Abwasch kümmerten. Als ich mit dieser Tätigkeit fertig war, kümmerte ich mich noch etwas ums abtrocknen des Besteckes und der Teller. “Wieso sind meine Emotionen so mehr intensiver, als Hirsch?”, habe ich mir währenddessen gedacht. “Ob das auch mit der Verwandlung zu tun haben könnte? Oder liegt es einfach nur an der Magie von diesem Ort?”.

Nach einer erneut unbestimmten Zeit, waren wir fertig mit dem letzten Küchendienst und eine wohlig einladende Therme wartete auf uns. Also machten wir uns auf dem Weg dorthin. Dort angekommen ging ich schon instinktiv zu dem Becken, welche mit den Damen befüllt war; Sie haben sich schon an meine Präsenz gewöhnt und ich mich auch an ihre. Gespräche wurden wieder geöffnet, auf welche ich mich zwar einließ, aber währenddessen immer wieder an Amelia denken musste, welche erneut nicht in der Therme anwesend war. Ich liebte sie wirklich, doch den anderen Damen erzählte ich dies nicht. Einerseits, weil mir dies, trotz meines veränderten Gehirns, unangenehm gewesen wäre und andererseits, weil ich die Damen nicht verärgern wollte; denn während wir über die verschiedensten Themen sprachen und diskutierten, merkte ich im Unterton von einigen Frauen, wie sehr sie mich liebten, auch wenn sie es wahrscheinlich nicht in meiner Gegenwart zugegeben hätten.

Nach vielen Stunden des badens, verließen wir alle gemeinsam das warme Wasser und wieder kamen die Veränderungen an meinem Körper zum Vorschein. Diese waren jedoch so minimal gewesen, dass es nicht erwähnenswert für mich gewesen wäre, diese aufzuzählen. Lediglich mein Kiefer ist weiter nach vorne gewachsen und auch mein Geweih hatte mehr von seiner Pracht erhalten - anscheinend konnte ich jetzt endlich mit den anderen Männern bezüglich meines Körpers Konkurrenz aufnehmen.

Diesmal hatte ich aber das Bedürfnis, nicht auf dem Feld, wie auch schon gestern, weiter zu arbeiten, sondern durch die zweite Holztür hinaus in die Natur zu gehen. Also ging ich, gemeinsam mit drei weiteren Personen, davon zwei Männer und eine Frau, zu der Tür hin und öffneten diese.

Wir betraten darauf einen Raum, welcher mich ein wenig an den Empfangsbereich eines typischen Motels erinnerte; ein paar Sitzgelegenheiten für einzelne Personen, ein paar kleine, runde Tische, ein bereits brennender Kamin und zwei Fenster, welche einen wunderschönen Blick nach draußen präsentierten. Wie auch die restlichen Räume, so sollte auch Dieser keine Ausnahme im Bezug auf die Materialverarbeitung sein - Holz. Zwei Eigenheiten sind mir jedoch aufgefallen, welche ich niemals zuvor in einem Motel gesehen hatte. Erstens: es führte keine Treppe in ein zweites Geschoss. Und zweitens: an den Wänden hingen mehrere Bögen und Köcher mit Pfeilen aufgestockt. In meinem Kopf hatte ich mir bereits die Frage gestellt, weshalb diese Objekte dort überhaupt hingen, traute mich jedoch nicht, Diese auszusprechen. Doch das musste ich gar nicht erst, da mich die Frau darauf hinwies und zu mir sagte, “Die Magie mag zwar auf den ersten Blick mächtig wirken, hat aber ihre Grenzen”. Sie nahm sich einen der Köcher von der Wand und verschloss diesen mit einer eingebauten Schnalle um ihre Schulter fest. “Sie wirkt nur innerhalb des Gesteins. Außerhalb davon”, sagte sie, während sie ihren Bogen nahm und diesen nun um die andere Schulter legte, “ist die Magie wirkungslos”. Sie nahm einen weiteren Köcher und Bogen ihren Händen und blickte darauf mit ihren Augen in Meine. “Deshalb müssen wir uns selbst um das Fleisch kümmern”. Sie legte eine kurze Pause ein und fuhr darauf fort: “Hast du schon Mal mit Pfeil und Bogen geschossen?”. Ich verneinte ihre Frage, indem ich mit meinem Kopf schüttelte. Darauf warf sie mir, was sie zuvor in ihren Händen gehalten hatte, mir entgegen und ich fing beide Teile auf. “Du wirst es schneller lernen, als du denkst”. Der Rest unserer Gruppe hatte sich bereits mit dem Equipment ausgerüstet und war bereits auf dem Weg nach draußen in den Schnee. Schnell folgte ich ihnen und schwang mir dabei schnell meine Ausrüstung um meine Schultern.

Nach mehr als drei Tagen war ich endlich wieder in der Natur. Streng genommen war ich zwar gestern wieder im Freien, diese Gegend war aber durch die Magie der Ortes erschaffen worden und dementsprechend habe ich dies nicht gewertet. Und darüber hinaus war das gestern auch in einem völlig anderem Klima gewesen - sonniges Wetter war mit der schneebedeckten Landschaft nicht zu vergleichen.

Mit meinem neuen Hirschkörper merkte ich zum ersten Mal einen Vorteil, den ich als Mensch wahrscheinlich niemals erreicht hätte: Ich konnte mich von jeglicher Kleidung verabschieden. Und zwar insofern, da mein Fell und wahrscheinlich auch einige meiner Fettschichten es mir ermöglichten, dass ich keinen schnellen Temperaturunterschied feststellen konnte. Sowohl in diesem Moment, als ich auch gemeinsam mit meiner Truppe auf die Jagd ging und eigentlich hätte frieren müssen, als auch am vorherigen Tag, wo ich gemeinsam mit meiner Gruppe, wie ein Kind, durch die große, weite Feldwiese rumgelaufen bin, ohne jegliches Ziel; nur ist es mir bei Letzterem nicht wirklich aufgefallen.

Als ich mich draußen, in der “wirklichen” Natur befand, hatte ich ein seltsames Gefühl. Obwohl ich diese Schneelandschaft ansehnlich fand, trotz seiner Eintönigkeit, fühlte ich mich unwohl, dort draußen zu sein. Es lag nicht einmal daran, dass ich in absehbarer Zeit ein Tier erledigen musste oder sonst der Gleichen. Vielmehr lag es daran, dass die Wirklichkeit von den Menschen regiert wurde; einem Tier, welches gar nicht an die Macht gehörte; diese Erkenntnis habe ich erst durch die Verwandlung feststellen können. Diese “intelligenten Lebewesen” würden uns nicht verstehen und uns wahrscheinlich allesamt ermorden, weil sie es nicht gewohnt sind, andere Intelligenzen als mögliche Konkurrenten zu haben. Dabei wollen wir eigentlich nichts von ihnen. Doch diese Einstellung werden sie erst feststellen, wenn ihr ungestillter Durst nach fremdem Blut sich niedergelegt hatte. Dann haben sie es endlich geschafft, auch die letzte Magie dieser Welt zu vertreiben. Deshalb fühlte ich mich unwohl in der wirklichen Wirklichkeit. Ich hoffte nur, dass wir uns nicht länger hier draußen aufhalten mussten. Zeitgleich erzählte ich den Anderen nicht über mein Unwohlsein, da ich immer noch in der Ideologie lebte, dass ich sie enttäuschen würde, auch wenn ich wusste, dass es dem nicht mehr so sei.

Irgendwann erblicken wir alle gemeinsam unser erstes Tier; welches Tier es dabei genau war, kann ich nicht mehr sagen; liegt schon sehr lange zurück. Woran ich mich jedoch noch sehr gut erinnern konnte, war es, dass mir die Gruppe gesagt hatte, ich solle den ersten Schuss geben. Anfangs wollte ich nicht, einerseits, weil ich noch nie in meinem Leben mit Pfeil und Bogen geschossen habe - eigentlich habe ich mal als Kind gelegentlich damit geschossen, aber das liegt schon viel zu lange zurück - und andererseits, weil ich mich nicht vor den Anderen blamieren wollte, wenn ich daneben traf. Dennoch bestanden alle darauf, dass ich den ersten Schuss abgeben sollte. Also nahm ich mit zittrigen Hufen das Konstrukt entgegen, legte einen Pfeil in die Sehne, spannte den Bogen an und zielte vorsichtig und langsam auf das Tier. Natürlich hätte ich sofort loslassen können, dennoch wollte ich nicht bei meinem ersten Schuss daneben schießen. Kurz vor dem Loslassen merkte ich, dass ich gerade wirklich auf ein Tier schoss, welches mir eigentlich nichts getan hatte und ich ihm auch nicht angetan habe. Doch ehe ich den Gedanken weiter fortführen konnte, ließ ich die Sehne los und der Pfeil flog auf das Tier zu.

Ich erwartete einen lauten Schrei und dass das Tier umfallen würde. Doch nichts dergleichen geschah. Das Tier stand weiterhin gerade und kümmerte sich nicht um den Schmerz, welchen es eigentlich hätte empfinden sollen. Als nächstes schaute das Tier in unsere Richtung und ist anschließend davon gelaufen; wahrscheinlich deswegen, weil es vor uns Angst hatte. Ich verstand nicht, wieso nichts dem Tier passierte. Am damaligen Tag habe ich es nicht nachgefragt, da ich dies nicht für nötig hielt. Erst Wochen später gab mir ein gewisser Grayson bekannt, warum das ganze so komisch aussah. Die Pfeile verschwinden in den jeweiligen Körpern, ohne dabei jeglichen Schaden zuzufügen. Vielmehr sorgt der Pfeil dafür, dass der Alterungsprozess beschleunigt wird. Je mehr Pfeile in ein Lebewesen hineingeschossen werden, desto schneller altert Dieses. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir niemanden töten, sondern nur die an altersschwäche verstorbenen Tiere aufsammeln.

Bei meinem ersten Mal hatten wir nicht so viel Glück. Wir hatten kein einziges Tier gefunden, welches für uns von Nutzen war. Lediglich ein paar Pfeile haben die anderen Gruppenmitglieder abgeschossen, das war es dann aber auch.

Als wir später am Tag, als die reale Sonne schon dabei war, den Himmel in ein orange-rotes Licht zu tauchen, wieder zuhause ankamen, legten wir alle die Köcher und Bögen wieder an ihren dazugehörigen Platz und machten uns auf dem Weg zu den Thermen. Dort angekommen wollte ich mich unbedingt ins brodelnde Wasser legen, doch irgendwie verspürte ich keine Lust darauf. “Vielleicht, weil der Ort diesen Gedanken in meinem Kopf ausbreitete? Oder, dass meine Haut die Temperatur nicht so schnell merkte? Vielleicht aber auch eine Kombination aus Beidem?”, dachte ich mir.

An den Thermen vorbei, kamen wir zurück in den Flur. Zwei weitere Türen öffneten sich und die anderen Gruppen, welche sich selbst zu den anderen Tätigkeiten gestellt haben, traten aus diesen heraus. Die Gruppen spalteten sich und der jeweils kleinste Anteil ging in die Richtung, in welcher ich mich befand; dabei wusste ich schon, wo sie hin wollten. Ich war ihnen jedoch einen Schritt voraus, denn die Tür, hinter der sich der Speiseraum und die Küche befand, war direkt neben mir. Und da ich mich für den heutigen Tag in der Gruppe bezüglich der Zubereitung des Essens befand, ging ich als erster durch die Tür und war somit vor allen Anderen in der Küche; Waren zwar nur einige Sekunden, aber immerhin.

Anstatt, dass ich mich diesmal um das Decken der Tische kümmerte, war ich diesmal ausschließlich mit dem Kochen beschäftigt. Mit einem, aus dem Felsstein bestehenden Messer, schnitt ich ausschließ das Gemüse klein. Gelegentlich noch etwas von dem Fleische, welches in der Vorratskammer vor sich hinvegetierte, aber dabei beließ ich es.

Das Essen war endlich fertig, als ich, gemeinsam mit dem Rest der Kochgruppe wieder in Speiseraum zurück marschierte, dort die letzten Schalen und Platten auf den Tisch stellte, mich gemeinsam zu den Anderen hinsetzte und den Spruch, “So speiset fürstlich!”, aufsagte.

Als das gemeinsame Essen sich dem Ende neigte, räumte ich mit den Anderen die Tische ab und brachte die Reste des Essens wieder in die Küche zurück. Das Abwaschen des Besteckes fiel mir leicht, was mit dem Rest des Essens passierte, wusste ich nicht und irgendwie hatte ich ein Bedürfnis dafür, es nicht wissen zu müssen.

Mit dem Abwasch endlich abgeschlossen, ging ich mit den Anderen endlich zur wohlverdienten Therme. Dort stieg ich, wie jedes Mal zu den Damen hinab. Wir unterhielten uns, lachten. Aber erneut war Amelia nicht anwesend. Ich verspürte in mir wirklich, dass ich sie liebte. Und eigentlich wollte ich mich auch bei ihr bedanken, dass sie mir dabei geholfen hat, mich in diese Welt einzuführen und deswegen, dass sie am allerersten Tag meinen Körper wieder neues Leben einhauchen konnte. Doch ich kam einfach nicht an sie heran, weil sie sich höchstwahrscheinlich von mir fernhalten wollte; verwunderlich war dies nicht, schließlich unterhielt sie sich auch sonst mit niemand anderem. “Doch wozu?”. Auf diese Frage konnte ich mir keine Antwort erschließen. Auch dann nicht, als alle sich aus dem Wasser erhebten und in Richtung ihrer Schlafräume begaben. Ich durfte wieder bei den Frauen schlafen, was ich zwar aus ihrer Sicht mit einer Großzügigkeit annahm, aber im Inneren ich irgendwie keinerlei Freude empfand; sowohl zu dem Zeitpunkt, als sie mich danach gefragt haben, aber auch, nachdem sie sich Dicht an mich kuschelten, um mir damit zu symbolisieren, dass sie gerne etwas mit mir anfangen wollten - das Letzte, was ich auch nur mit einem von Ihnen haben wollte. Nicht, dass ich sie als hässlich oder abstoßend empfand, aber ich hatte einfach kein Interesse für sie.

Für die Damen war es leicht, innerhalb weniger Momente ihre Äuglein zu schließen und anschließend seelenfriedlich zu schlummern. Doch ich konnte und wollte nicht einschlafen. Zu sehr war mein Gedächtnis damit beschäftigt, über Amelia nachzudenken - Die Frau, in welche ich mich am meisten verliebt, obwohl ich sie kaum zu Gesicht bekommen habe. Ich wusste nicht weshalb, aber sie hatte irgendetwas an sich, was ich nicht erkennen konnte, von dem ich aber wusste, dass es keine andere Frau gab, welche mit dieser Eigenschaft ausgestattet war.

Es muss mitten in der Nacht gewesen sein, als ich mich vom angenehmen Boden erhob, den Schlafraum verließ und damit den angrenzenden Flur betrat. Mein Plan war dabei gewesen, dass ich etwas im Flur auf- und ablief, um meinen Kopf etwas zu besänftigen, indem er auf andere Gedanken kommen sollte. Betonung lag dabei auf “sollte”, was aber nie wirklich eingetroffen ist. Oder doch; ich habe dies zu Beginn durchgezogen, bis ich auf der anderen Seite des Flurs ein Geräusch hörte, welches eigentlich nicht da sein sollte. Durch diese Diskrepanz bin ich dementsprechend in die Realität zurück gezerrt worden und machte mich mit langsamen, leisen, vorsichtigen Schritten - Schließlich wollte ich einerseits die Anderen nicht aufwecken und andererseits nicht das Geräusch übertönen - auf zu der breiten, zweigeteilten Tür, welche sich am Ende des Flur befand.

Dort angekommen öffnete ich vorsichtig die breite Tür, bis sie nur einen kleinen Spalt offen stand. Dort sah ich, wie sich ein Weibchen mit langsamen Schritten in eine der größeren Thermen hinein bewegte, darauf ihren gesamten Körper, mit Ausnahme des Kopfes, unter der Wasseroberfläche verschwinden ließ und sich ihr Gesicht langsam zu mir umdrehte. Nur anhand ihrer Augen hätte ich erkennen können, um wen es sich handelte, aber ihre faszinierende Schönheit ihrer Konturen sorgten dafür, dass ich sie nicht als Person oder Individuum ansah, sondern als ein zeitloses Kunstwerk.

“Komm schon! Sprich Sie an! Das ist die perfekte Gelegenheit. Wann wirst du jemals wieder so einen guten Moment bekommen?”. Sie drehte gerade ihren Kopf weg; die perfekte Gelegenheit. Ich öffnete mit bedachten Bewegungen die Tür, trat in die Steinhalle ein und verschloss die Tür vorsichtig in ihre Ausgangssituation zurück. Auch meine darauf folgenden Schritte sollten bedacht gewesen sein - Um ehrlich zu sein, war dies leichter gesagt, als getan, wenn man Füße besitzt, welche nicht fürs abfedern konzipiert wurden und gefühlt so hart waren, wie der Steinboden selbst. Dennoch schaffte ich es, so nah wie möglich an Amelia heranzukommen, ohne dass sie etwas von mir mitbekam. Das tat sie erst, als sie sich von selbst umdrehte und sich dadurch der Konfrontation stellen musste, mich anzusehen. In ihren Augen konnte ich erblicken, dass sie sich erschrocken hatte. Ich hingegen blieb relativ entspannt, da ich schon wusste, dass dieser Moment kommen würde, spätestens ab dem Zeitpunkt, an welchem ich mich ins Wasser begeben hätte, wo ich schon kurz davor war.

Ich sagte ihr, dass sie keine Angst vor mir haben müsse. Ich wollte nur mit ihr reden, das sei alles. Sie ließ sich darauf ein und so geschah es, dass ich zum dritten Mal an einem Tag in die Therme hinabstieg.

Dort angekommen gestand ich vor ihr relativ schnell, dass ich sie liebte, was irgendwie in ihr die Lust verspürte, dass sie mir ihre Lebensgeschichte erzählen wollte.

Das einzige, was ich über sie wusste, war, dass sie als ehemalige Masseurin gearbeitet hatte, was ihre beeindruckenden Handarbeiten erklärte, mit welchen sie mich in diese neue Welt eingeladen hatte. Den Rest, welchen sie vor mir erzählte, war jedoch neu für mich und, wie sich später herausstellen sollte, auch für alle anderen; denn bis jetzt hatte sie noch Niemanden ihre Geschichte erzählt. Amelia stammte aus Québec und wuchs dort in einer relativ normalen Familie auf. Bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr, als sie ihren ersten und einzigen Freund kennenlernte. Am Anfang schien es gut zwischen ihnen auszusehen, bis er sie dazu verleitet hatte, Drogen zu nehmen. Auch dies schien zu Beginn gut zu laufen und hatte eine Ausbildung zum Masseur begonnen. Dabei wollte sie eigentlich etwas Anderes machen. Was genau, wusste sie nicht, auf jeden Fall nicht dies, was ihre Eltern ihr aufgetragen hatten. Darum nahm sie auch die Drogen. Um sich von der Arbeit und ihren Eltern zu distanzieren und kurzzeitig woanders zu sein. Doch mit jedem weiteren Zug, ließ die Intensität immer weiter nach, weswegen sie schon sehr oft davor stand, zu noch härteren Mitteln zuzugreifen. Doch ehe dies geschehen konnte, nahm sie das Nötigste mit, verschwand aus der Stadt und sollte nie wieder zurück kommen. Es hatte dabei nicht an ihrem Freund gelegen, welcher ihr Drogen gegeben hatte. Es hatte auch nicht an ihren Eltern gelegen, obwohl sie sie nicht ausstehen konnte. Sie wusste bis heute nicht, warum sie abgehauen ist, aber sie wusste für sich selbst, dass sie es tun musste. Die darauffolgenden Tage seien für sie das Schlimmste gewesen, was ihr jemals passiert ist. Sie hatte kaum Geld, kaum Essen und keine Drogen; nur das Wasser aus dem Fluss. Der Hunger sei in Kombination mit dem kalten Entzug kaum auszuhalten gewesen. Ständig fühlte sie sich unterkühlt, obwohl sie eine wirklich gut Jacke anhatte. Und nach nur wenigen Tagen sei sie mitten im laufen, irgendwo, wo sie niemand finden sollte, ohnmächtig geworden. Darauf ist sie mitten unter den Hirschen aufgewacht. Sie ist dabei gar nicht mal so lange hier; nicht einmal ein halbes Jahr; ich hatte sie auf einige Jahre eingeschätzt.

Und ich war der Erste, vor welchem sie sich so sehr geöffnet hatte. Darauf fing sie an zu weinen und ließ sie mehr oder minder in meine Arme fallen. Ich habe sie noch nie weinen sehen und war dementsprechend der felsenfesten Überzeugung, dass sie es nicht konnte. Und irgendwie fühlte ich mich und wahrscheinlich auch sie sich glücklich dabei. Warum konnte ich nicht genau sagen.

Nach kurzer Zeit löste sie sich von ihrer Haltung, stellte sich darauf in eine gerade Position, wischte sich mit ihren Handhufen die Tränen aus dem wunderschönen Gesicht und sagte im Anschluss, dass es ihr Leid tät für die unangebrachte Reaktion. Anstatt es Amelia ins Gesicht zu sagen, dass es ihr nicht Leid tun müsse, gab ich ihr diese Botschaft mittels einer Geste; ich bewegte meinen Kopf schnell auf ihren zu und küsste sie. Ihre Körperhaltung war zunächst starr und ich konnte mir sogar vorstellen, dass sie ihre Augen weit aufgerissen hatte - Ich hatte meine Augen geschlossen und konnte dadurch nicht das Kunstwerk vor meinen Augen betrachten. Doch ihre Körperhaltung lockerte sich darauf, sie fing an, den Kuss zu erwidern und drückte sogar mit einem ihrer Hände meinen Kopf noch fester an ihren. Offenbar liebte sie sich genauso sehr, wie ich sie.

Darauf packte sie mit der anderen Hand an meinen Hodensack; so schnell, wollte ich zwar noch nicht vordringen, aber sie bestand darauf. Und so geschah es, dass sich in einer besonderen Nacht zwei Seelen miteinander verbanden und sich in einer von ihnen ein neues Leben entwickelte.


A He, A He, Or He, And She


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