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The sad Hunter (of the Forest)

Geschrieben von 1TAKE! | Veröffentlicht am 23.04.2021 | Animal | 0 868


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Die Tatsache, dass ich existiere, ist schon merkwürdig. Warum verfügen die Menschen und ich überhaupt über so etwas wie Intelligenz und warum haben ausgerechnet wir das Luxusgut bekommen, überhaupt denken zu können? Philosophie ist eigentlich sinnlos, weil es sich nur um ein Konstrukt handelt, welches wir uns ausgedacht haben. Die Menschen stolzieren so durchs Leben und denken nicht über ihre eigene Existenz nach. Aber ausgerechnet ich kann das große Ganze verstehen; seltsame Sache.

Vielleicht irre ich mich auch einfach. Schließlich beschäftige ich mich mit den Menschen noch nicht sehr lange. Es gibt einfach noch zu vieles, was ich nicht über sie weiß.

Auch an diesem Tag war es nicht anders, als ich über die fundamentalen Eigenschaften der Menschlichkeit nachdachte. Dabei saß ich auf einem Holzstuhl in einem Holzhaus in einem abgelegenen Wald. “Unbequem!”, würden jetzt einige von euch sagen, aber das war es nicht einmal im Geringsten. Denn wenn man in der Lage war, seine eigene Masse zu vervielfältigen und zu formen, wie es einem gerade lieb war, konnte man selbst die härteste und angenehmste Sitzmöglichkeit in ein herrlich-wohliges Paradies erschaffen, welches dem Thron eines Königs gleichkam. Doch zu meiner besonderen Gabe werde ich erst etwas erzählen, wenn die richtige Zeit gekommen ist.

Der Tag sollte zu Beginn sich noch nicht zu den vorherigen Tagen unterscheiden. Doch als ich in der Ferne Schritte hörte, welche einerseits nicht von animalischer Abstammung waren und zum anderen auch alleine waren, dachte ich mir, dass dies endlich meine Chance werden würde.

Ich schnappte mir den kleinen Glasbehälter mit meiner Flüssigkeit gefüllt und verließ damit mein Holzhaus. Das jemand in diesen Wald kommen würde, war ausgesprochen selten. Mitten im Nirgendwo, abseits von jeglicher Zivilisation, wo mich vorerst niemand finden sollte. An diesem Ort versuchte ich über den Menschen mehr zu lernen und ihn besser zu verstehen. Es ist zwar nicht gerade leicht, an solche Informationen heranzukommen, welche sich ausschließlich in Büchern befinden, welche ich immer wieder aus den naheliegenden Bibliotheken stehlen muss, aber das war es mir jedes Mal wert.

Nach fünf Minuten, sofern ich die neue Zeitumstellung richtig ordnen konnte, erreichte ich die Geräuschquelle. Es war ein stämmiger Mann mit einem langem, schwarzem, rauem Bart. Seine Augenfarbe habe ich schon einige Mal gesehen, aber sie wirkten dennoch wunderschön - braun. Der Körper war stämmig, hoch und sehr gut geformt, aber seine Kleidung war dreckig, staubig und, wie man es in der modernen Sprache sagen würde, unansehnlich; aber ich fand es nicht weiter schlimm.

Ich trat hinter den Bäumen hervor und begrüßte den Mann. Ich fragte ihn, ob er sich in meinem Haus dazugesellen möchte, um sich bei mir auszuruhen. Er willigte ein und folgte mir.

Am Hause angekommen, betraten wir gemeinsam meine Gemäuer und bot ihm direkt einen Sitz- und Schlafplatz an. Jedoch konnte er sich nicht besonders freuen, da seine Blicke die ganze Zeit im Haus umherschweiften. An jeder Wand hingen Unmengen von Papier mit unglaublich vielen Wörtern und Sätzen darauf, welche er auf die Entfernung zum Glück nicht lesen konnte. Noch dazu waren eine Vielheit an Büchern über den gesamten Raum verstreut, mitsamt den verschiedensten Notizen angebracht, auf welchen ich Zwischengedanken verschiedenster Art aufgeschrieben habe.

Der Mann fragte mich berechtigterweise, warum dieser Raum so anders aussah, als bei anderen, üblichen Waldhütten und ob ich so etwas wie ein Professor sei, welcher in dieser Gegend Nachforschungen anstellte. Ich sagte darauf zu ihm: “Da muss ich dich leider enttäuschen, mein lieber Freund. Ich bin nur ein besessener, wissbegieriger Mann, welcher für außenstehende Menschen so aussieht, als hätte er seinen Verstand verloren. Aber das habe ich keineswegs. Ich würde sogar behaupten, dass ich am Anfang meiner Informationsaufnahme stehe”.

Der Mann schaute mich verwirrt an und blickte sich immer noch unsicher in meinem Haus um. Aber er vertraute mir und ließ sich auf mich ein.

Den restlichen Tag verbrachte ich, wie immer eigentlich, mit lesen. Der Unbekannte schien derart erschöpft zu sein, dass er augenblicklich anfing zu schlafen, nachdem er sich direkt ins Bett gelegt hatte. Auch ich tat es irgendwann, als die Sonne bereits lange untergegangen, aber dennoch etwas von der orange-roten Dämmerung am Rande des Horizonts zu sehen war.

Am nächsten Tag stand ich noch vor dem Fremden auf; die Sonne schien noch nicht; es war wirklich etwas Besonderes, so eine innere Uhr zu besitzen, welcher ich exakt sagen konnte, wann ich aufstehen sollte. Jedenfalls ging ich nach draußen und entfachte ein Feuer. An einem Spieß briet ich mir etwas feingeschnittenes Dörrfleisch, in dieser Kultur auch “Bacon” genannt, an. Zeitgleich hatte ich mein Auge auf die Pfanne geworfen, welche sich nahe am Feuer befand. Darin waren zwei Eier, dessen Eiweiß bereits anfing bräunlich zu werden, zwei Tomaten und Bohnen, welche ich mir vor ein paar Tagen in einer naheliegenden Stadt gekauft habe - die in Dosen eingelegten Bohnen waren zwar nicht gerade billig, dafür jedoch sehr schmackhaft und nahrhaft; und genau so etwas brauchte man, wenn man hier draußen lange überleben wollte. Dazu habe ich Wasser in zwei Metallbecher erhitzt, damit die Flüssigkeit frei von Bakterien und somit genießbar war. Mich störte dies nicht, jedoch war es für Menschen wichtig sauberes Wasser zu trinken, damit sie nicht an irgendetwas starben. Was der Fremde jedoch nicht wusste war, dass ich in seinem Becher etwas von der Flüssigkeit beigefügt habe, welche ich immer von mir abließ. Diesmal wollte ich herausfinden, was passiert, wenn ein menschliches Wesen diese Flüssigkeit zu sich nahm. Und irgendwann war es endlich so weit. Der Fremde trat aus meinem Haus, setzte sich zu mir, bedankte sich dafür, dass ich ihm ein so nahrhaftes Frühstück zubereitet habe und wartete darauf, bis er seinen Becher nahm. Damit nichts auffiel, unterhielt ich mich mit ihm, auch wenn ich ihm nicht gänzlich zuhörte. Doch kurz bevor er seine Schlücke nahm, erzählte er mir etwas, welches mein gesamtes Leben für immer verändern sollte.

“Du musst wissen, dass mein Leben eine gescheiterte Existenz aufweist”, hatte er begonnen. “Dabei hat es eigentlich so gut und wunderschön angefangen. Natürlich war ich nicht aus einer wohlhabenden Familie entsprungen, aber meine Eltern konnten es sich wenigstens leisten, mir eine Schulbildung zu ermöglichen. Und dann ging alles in meinem Leben steil bergab. Ich hatte immer gedacht, dass es allein die Schuld meiner Eltern sei. Dass sie mich brechen wollten, dass sie mich gefügsam und folgsam machen wollten, nur damit ich ihnen gerecht werde. Irgendwann habe ich sie hintergangen und habe so getan, als würde alles wie gewohnt weiterlaufen. Natürlich bewehrte sich dies nicht auf ewiglich, weswegen sie mich irgendwann rausschmissen. Seitdem marschiere ich jeden Tag in der Gegend umher, ohne wirkliches Ziel. Immer auf der Suche nach einer Unterkunft und etwas zu Essen, welches ich mir die meiste Zeit über mühelos erarbeiten musste. Aber diese Zeit des Alleinseins zeigte mir, dass nicht meine Eltern der Inbegriff der Abscheulichkeit waren, sondern ich. Erst hier wurde mir das erste Mal klar, dass sie mir helfen und nur das Beste von mir wollten, auch wenn es teile ihrer Persönlichkeit gab, welche ich bis heute als Negativ erachte. Aber ich wollte nicht auf sie hören, wollte lieber mein eigenes Schicksal in die Hand nehmen und bin daran kläglich gescheitert”. Er legte darauf eine Pause ein.

“Aber warum erzähle ich dir das überhaupt?”, sagte er irgendwann in die Stille hinein. Darauf führte er seinen Becher zum Mund und trank das Wasser fast in einem Zug aus. “Schließlich bin ich nur ein herumstreifender Mann, welchen du wahrscheinlich nie wieder sehen wirst”. Wieder legte er die Pause ein und trank die letzten Züge seines Wassers aus. Und dann fingen seine Verwandlungen an.

Zunächst fingen seine Augen an, glasig zu werden. Auch schwitzte er aus seiner Haut, woraus die Flüssigkeit allerdings bestand, wusste ich noch nicht.

“Wieso ist meine Haut auf einmal so heiß?”, fragte er zu sich selbst und mir kam es so vor, als würde ihm schwindelig werden. Seine Muskeln zuckten und vermehrten sich. Kurzzeitig sah es so aus, als würde er eine muskulösere Version seiner Selbst werden; jedoch täuschte dies nur. Denn über seinen Muskeln bildete sich eine Fettschicht, die gerade für ein Wesen solcher Art vom großen Nutzen war, zumindest für den Winter.

Auch bei seinem Bauch wurde dies deutlich ersichtlich. Dieser blähte sich auf und fing darauf an, lustig hin und her zu schaukeln. Diese Erkenntnis wurde darüber hinaus noch dazu begünstigt, dass sein Jägerhemd, welches mit Knöpfen verschlossen war, aufriss und man somit seinen dicken Bauch besser sehen konnte. Auch seine Hose riss und präsentierte der Natur sein Schwanz-ähnliches Objekt, welche aber für die Menschen seiner Art normal war. Zuvor habe ich diese Objekte nur als Zeichnungen in Büchern gesehen, was bedeutet, dass es mein erstes Mal war, dieses Objekt real vor meinen Augen zu sehen.

Jedoch hielt die Begeisterung nicht lange an, da sich die Form seines Penisses schlagartig veränderte. Ich fand es schade, weil ich mehr davon sehen wollte, aber die Veränderung hatte auch etwas Schönes. Sein hängender Sack hing nun näher an seinem Körper und sein Penis ging etwas in die Länge und Höhe, verharrte in seiner Position und wuchs mit der unteren Seite seines Bauches zusammen.

Und apropos Bauch, noch vor seiner Verwandlung war dieser unglaublich behaart. Doch nun sprießen unzählige weitere Haare in einer kreisförmigen Ausbreitung hervor, sodass es schon ungeahnte Ausmaßen annahm.

“Warum…”, begann der Fremde nach zu langer Stille zwischen uns. “Bin… Ich so?”. Ich bin mir sicher, dass er keine Ahnung hatte, wovon er eigentlich redete. Sein Ding in seinem Kopf, fing an, wie die Menschen es sich untereinander sagten, matschig zu werden. “Ich bin ich?”, war seine nächste Frage, welche noch dämlicher war, als ich es mir vorstellen konnte. Dann entrann aus seinem Mund ein Gebrüll, welches sich nicht mehr human anhörte.

Mittlerweile rann die Behaarung sein Gesicht hinauf und ließ das Letzte, was man noch als menschlich bezeichnen konnte, verschwinden. Sein Gesicht zog sich in die Länge, die Nase flachte ab und färbte sich schwarz. Die Haare auf seinem Kopf mussten sich der Behaarung unterziehen, fielen ihm somit der Reihe nach aus und wurden durch kurze, braune Haare ersetzt, ebenso auch bei seinem Bart. Die Ohren wurden rundlicher und wanderten seinen Kopf hinauf. Seine Zähne wurden spitzer, sodass sie für einen Menschen bedrohlich wirken konnten; für mich jedoch nicht. Und irgendwann war sein Körper so schwer, dass er nach vorne fiel und sich auf seine Vorderbeine abstützte.

Die erste Verwandlung war nun vollständig abgeschlossen und vor mir stand ein Bär, welchen ich diesmal selbst erschaffen hatte, als wäre ich eine Art Gott. Seine Gesichtszüge schauten mich verwundert an.

Um ehrlich zu sein, ich hatte gedacht, dass ich wüsste, was ich tun würde. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob das, was ich getan habe, richtig war.


I did my worst all at once. But it will all be okay in the end.


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Kommentare:


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sunnysk - 27.06.2021 um 12:13 Uhr

Liebe/r 1TAKE!,

 

als erstes vielen Dank für deine etwas ausufernde Kritik. Das ein oder andere werde ich eventuell für meine folgenden Geschichten mitnehmen.

Du solltest aber auch respektieren, dass es verschiedene Geschmäcker, Schreibstile usw. gibt und man es niemals allen zu 100% recht machen kann. Diverse rohe Ausdrucksformen oder bildliche Darstellungen sind nicht nur von mir, sondern auch anderen Autoren mehr oder weniger gewollt und bewusst so erschienen wie sie sind. Das bezieht sich nicht nur auf diesen Blog, sondern umfasst auch alle anderen Werke. Sei es Film, Fernsehen oder Literatur. Was einem nicht zusagt, braucht man ja Gott sei Dank nicht zu sehen bzw. zu lesen.

Ich finde es durchaus Wichtig das es verschiedene Auffassungen gibt was den Schreibstiel, die Illustration oder Literarischen Ausprägung betrifft. Das macht das ganze ja erst interessant. Ansonsten würde alles in einem Einheitsbrei versinken und langweilig werden.

 

sunnysk


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