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Die alte Kapelle II.

Geschrieben von Scriba | Veröffentlicht am 27.12.2021 | MtF MC Other | 4 774


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Teil 2

Am nächsten Morgen erwachte ich und fühlte mich großartig. Die ersten Sonnenstrahlen schienen durch und kitzelten meine Nase. Ich atmete tief ein und strich mit den Händen durch mein Gesicht. Etwas fühlte sich seltsam an, ich öffnete meine Augen und hielt meine Hände vors Gesicht. „Was zum?“ Plötzlich war ich hellwach, mein ganzer Körper in höchster Alarmbereitschaft und angespannt. Ich setzte mich auf, betrachtete meine Arme, welche definitiv nicht mir gehörten. Sie waren schlank, fast schon dürr und meine maskuline Armbehaarung war einem zarten Flaum aus hellblonden Haaren gewichen. Ich schaute auf meinen vermeintlichen Oberkörper hinab, mein Shirt musste um etliche Konfektionsgrößen gewachsen sein. Meine linke Schulter lunzte keck aus meinem Shirt mit V-Ausschnitt, darunter erkannte man deutlich den Ansatz von weiblichen Brüsten. „Was stimmt hier nicht? Was ist nur los?“ Ich schreckte innerlich vor meiner eigenen Stimme zurück, welche einen hohen und melodischen Ton angenommen hatte, wie die eines Mädchens. Verzweifelt stieg ich aus dem Bett, ich wollte ins Bad, aber weit kam ich nicht. Direkt nach dem ersten Schritt fiel ich zu Boden, etwas hatte sich um meine Beine gewickelt. Ich drehte mich auf den Rücken, schaute in Richtung meiner Füße und erkannte meine karierte Unterhose, welche von meiner Hüfte gerutscht war und sich um meine Knöchel gelegt hatte. Ich streifte die Buchse mit meinem Fuß ab, dabei fiel mein Blick auf meine langen und unbehaarten Beine. Wie von der Tarantel gestochen rappelte ich mich wieder auf und kam ins Bad. Ich schaltete das Licht an und blickte in den Spiegel.

Dort erblickte ich eine fremde Person, ein junges Mädchen, etwa in meinem Alter. Sie starrte mich an, ahmte jede meiner Bewegungen nach. Es dauerte in meinem Zustand einige Augenblicke, bis ich realisierte, dieses Mädchen war ich! Nun geschah etwas, was mir das letzte Mal vor 10 Jahren passierte. Ich begann zu weinen. Ein dato unbekannter Schwall an Emotionen brach über mich herein und dicke Tränen kullerten über mein zartes Gesicht. Ich setzte mich auf die kalten Fliesen meiner kleinen Nasszelle und stülpte mein viel zu großes Shirt über meine angewinkelten Beine. Tausend Gedanken schossen durch meinen Kopf und ich konnte mich kaum beruhigen. Ich weiß nicht mehr wie lang ich dort gesessen und geweint hatte, aber mir kam es wie eine Ewigkeit vor. Wahrscheinlich hätte ich noch eine ganze Weile dort verbracht, wenn sich nicht meine Blase ganz dringend bei mir gemeldet hätte. Ich versuchte mich zu sammeln, stand auf, ohne dabei in den Spiegel zu schauen und setzte mich auf die Toilette. Ich zitterte am ganzen Körper als ich mein Shirt hochzog. Dort, wo einst mein Schwanz hing, war nun völlige Leere. Ich tastete vorsichtig zwischen meine nun schlanken Beine und fand etwas vor, was ich sonst nur aus dem Internet kannte. Eine Vagina. Wieder überkam mich ein neuerlicher Weinkrampf, welcher mein graues Shirt in Tränen tränkte. Ok, ok, beruhig dich Luca! Sagte ich mir innerlich. Das bekommen wir schon wieder hin! Ist nur ein Traum, oder vielleicht ein Nervenzusammenbruch? Jetzt arbeiten wir erst einmal daran, diesen unangenehmen Druck loszuwerden! Meiner Unerfahrenheit über die Anatomie einer Frau geschuldet, beugte ich meinen Oberkörper so weit es ging nach vorne, damit auch kein Tropfen daneben ging. Der Druck ließ endlich nach, doch fehlte mir eindeutig die Zielsicherheit.

Nachdem ich fertig war, ging es mir schon deutlich besser. Ich warf neuerlich einen Blick in den Spiegel und erst jetzt fiel mir auf, wie hübsch das Mädchen im Spiegel eigentlich war, wie hübsch ich war! Ich zog mein Shirt über den Kopf, ließ es zu Boden fallen und betrachtete meinen Körper. Ich schätze mich auf ca. 1,60m. Ich hatte Schulterlanges blondes Haar, leicht gelockt, einen flachen Bauch und eine einladende Hüfte. Mein Po war wesentlich fülliger als der meines vorherigen Körpers und meine Haut war so verdammt weich, dass ich mich permanent überall berühren wollte. Mein Intimbereich war von jedem noch so winzigen Haar befreit und mein Gesicht wirkte weich und freundlich. Ich hatte grüne Augen. Ich warf mir ein zaghaftes Lächeln im Spiegel zu, und berührte meine Brüste. Zwar war ich kein Fachmann, aber ich schätzte sie auf A oder knapp B. Sie waren nicht besonders groß, aber passten gut zum Rest meines neuen Körpers. Alles war so irreal, aber umso mehr ich mich im Spiegel betrachtete, umso vertrauter kam ich mir vor. Ich zog mein Shirt wieder über, welches an mir mehr einem Kleid ähnelte und ging ins Wohnzimmer. Ich nahm mein Handy zur Hand und öffnete WhatsApp. Eine Nachricht von meiner Mutter „Melde dich doch mal! Alles gut?“ Ich tippte mit meinen schlanken Fingern eine kurze Nachricht ein. „Ja, alles ok. Ich habe gerade vielzutun in der neuen Wohnung. Ich melde mich.“ Als ich die Nachricht verschickt hatte, fiel mir plötzlich ein, was würde meine Mutter dazu sagen? Wie sollte ich das alles erklären? Ich wagte einen Versuch und stellte meine Handynummer auf Anonym, dann rief ich Benno an, meinen einzigen Kumpel. Benno und ich kannten uns schon ewig. Ab dem Zeitpunkt, als wir beide aufs Gymnasium wechselten, war er plötzlich beliebt und hatte ständig etwas am Laufen. Uns verband nicht mehr viel, außer bestimmte Computerspiele und unsere lange Sandkastenfreundschaft. Es klingelte. „Ja?“ Bennos Stimme klang leicht aggressiv, er mochte es nicht, von anonymen Nummern angerufen zu werden. Ich hatte Glück, das er überhaupt ran ging. „Hi, Benno?“ rutschte es mir schüchtern heraus. „Ja, wer bist du? Nadine?! Warum rufst du mit unterdrückter Nummer an? Das ist voll scheiße.“  „Nein, ich bin nicht Nadine.“ Ehe ich noch etwas sagen konnte, unterbrach er mich. „Wer bist du denn nun? Woher hast du meine Nummer?“ Er erkannte meine Stimme nicht, ich beschloss den Test als abgeschlossen zu betrachten und legte auf. Die Realität hatte sich also nicht verändert, nur ich hatte es.

Den Vormittag verbrachte ich damit, meinen erst frisch eingeräumten Kleiderschrank zu durchforsten. Es passte nichts mehr und etwas in mir sträubte sich vor meiner alten Kleidung. Mir gingen Gedanken durch den Kopf, die für mich damals keine Prämisse hatten. Zugegeben, ich hatte mir nie etwas daraus gemacht, was andere von meinem Aussehen hielten, zumindest habe ich mir das als Mann immer eingeredet, aber nun war etwas anders. Der Verzweiflung nah startete ich meinen Laptop und suchte nach einschlägigen Seiten für Klamotten und wurde schnell fündig. Als erstes schaute ich nach Höschen, aber die schiere Vielzahl erschlug mich. Panties, Strings, oder normale Slips? Und welche Farbe? Ich war mir unsicher, da alles so eng und unbequem aussah. Für gewöhnlich trug ich lieber Kleidung, die weiter geschnitten war. Auch untenrum. Ich stieß auf ein Überraschungspaket des Kleidungsanbieters, der eine bunte Mischung versprach. Mit einem Maßband, welches ich in der Wohnung fand, nahm ich Maß an mir und glich die Maße mit den jeweiligen Tabellen für „Konfektionsgrößen Damen“ ab. Ich drückte auf Bestellen. Bye, Bye neues Sofa! Damit war ich nun offiziell im Dispo angekommen. Aber ich fühlte, es war die Richtige Entscheidung. Ich musste auch irgendwann einmal raus, um Essen zu kaufen oder sonstige Erledigungen zu machen. Und mit den Klamotten im Schrank war nichts mehr zu gewinnen.

Während ich mich so durchklickte, fiel mir plötzlich eine Werbung für Männerunterwäsche auf. Ich klickte drauf und durchstöberte die Seite. Mein ganzes Leben hatte ich eigentlich immer nur auf Frauen gestanden, aber diese Bilder von diesen durchtrainierten Models mit ihren engen Slips sorgten dafür, dass ich kurz auf meine Unterlippe biss. Ich scrollte weiter, ein warmes Gefühl machte sich in meinem Bauch breit und unbemerkte lächelte ich sogar etwas. In meinen Gedanken stellte ich mir vor, wie eines der Models mich fest umarmte. Ich zog seinen männlichen Duft tief ein und legte meinen Kopf auf seine durchtrainierte Brust. Ich schämte mich etwas für diesen Gedanken, war ich etwa schwul geworden? Oder waren es vielleicht die weiblichen Hormone in mir, die langsam die Oberhand gewannen. Ich stellte mir vor, wie seine Hand in meine neue Unterwäsche wanderte und er begann… Von einem schrillen Geräusch aus meinen Gedanken gerissen, blickte ich mich panisch um. Was zum Teufel war das für ein Geräusch? Da war es wieder! Gefolgt von einem klopfen. Das musste meine Wohnungsklingel sein. Gott, wie grässlich!

Ich schlich zur Wohnungstür und warf einen Blick durch den Spion, allerdings war dieser so rudimentär, dass die Gegenüberstehende Person sofort erkannte, dass jemand an der Tür war. Dies erkannte ich am Blick dieses Typen, der mir ein verschmitztes Lächeln durch den Spion zuwarf. „Mach schon auf, ich beiß nicht Luca!“ Woher kannte er meinen Namen? Plötzlich kam ich mir vor wie der größte Idiot. Ich fühlte mich ertappt, öffnete die Tür, vor mir stand ein Mann, ca. 40 Jahre alt. Er trug eine blaue ausgewaschene Jeans und ein einfaches Shirt. Er zwei Köpfe größer als ich. Für sein Alter war er gut in Schuss, wahrscheinlich trieb er regelmäßig Sport in seiner Freizeit. Sein hellgrünes T-Shirt hatte zumindest Mühe, seine Oberkörpermuskeln abzudecken. Es war ein seltsames Gefühl, plötzlich so klein und zart zu sein. Auch war es für mich ungewohnt hinaufzublicken, wenn ich mit jemanden sprechen wollte. „Ja?“ brachte ich mit viel Überwindung hervor. „Wer bist du? Ich wollte Luca sprechen. Ich bin Frank, sein Vermieter.“ Ehe ich richtig schalten konnte, sagte ich ihm, dass ich Luca sei. Noch ehe die Worte gänzlich meinen Mund verlassen hatten, verfluchte ich mich für meine Dämlichkeit. „Du bist Luca?“ Frank schaute mich verwundert an, wenn ich seinen Blick richtig interpretierte, hatte er arge Zweifel an meiner Aussage. „Ok, Luca also…“ sagte er mehr zu sich selbst als zu mir. „Stimmt, ist ja auch ein Mädchen und Jungennamen. Und ich dachte ich schreibe die ganze Zeit mit so einen fetten Nerd.“ Plötzlich wechselte seine Haltung von normal zu lässig, er verschränkte seine Arme vor der Brust und lehnte sich an die Zarge meiner Wohnungstür. Instinktiv ging ich einen Schritt zurück, hielt mit der rechten Hand weiter den Türknauf. „Schön das die alte Bude einen neuen Bewohner gefunden hat und dann gleich noch so eine süße Maus wie dich.“ Er grinste über beide Ohren und seine Oberarmmuskeln schien noch einmal deutlich gewachsen zu sein. Hatte der Typ mich gerade süße Maus genannt? Und mein eigentliches ich, einen fetten Nerd? Was für ein Idiot, am liebsten hätte ich den Typen gepackt und einen Satz warme Ohren verpasst, aber stattdessen quittierte ich seine Aussagen auch noch mit einem verlegenen lächeln. Ständig fiel mein Blick unbewusst auf seinen durchtrainierten Oberkörper, es gefiel mir, auch wenn ich Frank nicht ausstehen konnte. Mein Vermieter merkte, dass er mich leicht beeindrucken konnte. Ich hätte mich selbst dafür ohrfeigen können. „Hör mal, Süße. Ich kann ja mal kurz mit reinkommen, ein paar Möbel verrücken oder dir ein paar Sachen anschließen. Nicht das du dir noch wehtust, hm?“ Bitte was? Ich kochte innerlich, der Typ nahm mich überhaupt nicht für voll. „Nein, vielen Dank. Ich habe bereits alles fertig. Mein Freund ist Handwerker.“ Sein Blick verfinsterte sich. „Dein Freund? Ich hoffe der wohnt hier nicht, ich hatte in meinen E-Mails deutlich gemacht, dass die ich keine unangemeldeten Untermieter dulde!“ Ich schreckte auf, seine tiefe Stimme hatte mich zusammenzucken lassen wie ein Rehkitz, welches in die Lichter eines herannahenden Lastkraftwagens blickte. „Nein, nein, ich meinte ein Freund. Ich wohne allein, nur ich bin hier gemeldet.“ Frank musterte mich intensiv, checkte unverhohlen meinen Körper ab und grinste neuerlich. Ich kreuzte nun meine Arme unbewusst vor meinem Oberkörper, als würde ich nackt vor Frank stehen. Was für ein ekliger Typ. „Pass mal auf Süße, ich brauch noch eine Kopie deines Ausweises. Hol mal dein Portemonnaie her, dann fotografiere ich mir den schnell für die Unterlagen ab.“ Mein Ausweis? Ich verkrampfte innerlich und wurde zur Salzsäule. Wenn der meinen Ausweis sieht, fliege ich raus und dann kann ich nirgends hin. Meine Eltern würden mir nicht ein Wort glauben, ich begreife ja nicht einmal selbst was hier gerade passiert. Ich musste irgendetwas tun, ich musste mir Zeit erkaufen. „Oh… äh…. Mein Ausweis ist nicht hier, sorry Frank. Der liegt bei meinen Eltern, hab ihn dort vergessen nach der Ummeldung. Kann ich ihn dir nachreichen?“ Zwar grinste der Idiot immer noch vor sich hin, aber dumm war er nicht. Man merkte förmlich, wie sein Gehirn hinter seinem beschränkten Gesichtsausdruck ratterte und versuchte, sich einen Reim auf die ganze Sache zu machen. „Kein Problem Süße, bring mir einfach eine Kopie am Freitagabend vorbei. Am Ende der Straße, gegenüber vom Döner ist ein kleiner Club. Der gehört mir, wir haben aber nur am Wochenende auf, dort findest du mich, Süße.“ Er nickte mir zu und trat zurück. Im Gehen schaute ich ihn hinterher und sagte „Luca, ich heiße Luca.“ Frank blieb stehen, drehte sich um und warf mir wieder dieses ekelerregende Grinsen zu. „Ich weiß, wie du heißt, Süße.“ Dann verschwand er und die Tür des Hausflures quittierte seinen Abgang mit einem lauten Knall. Doch dieser Knall war nichts im Vergleich zu dem inneren Knall in mir. Fluchend warf ich meine Tür zu. „Was für ein ARSCHLOCH! WAS GLAUBT DER EIGENTLICH WER ER IST!“ Ich brodelte vor Wut, meine helle Stimme ließ mich meinen eigenen Ärger auch nicht völlig ernst nehmen, was mich noch wütender machte. Der Typ hatte mich behandelt wie ein kleines dummes Kind, welches nicht einmal richtig atmen könnte, wenn er es mir nicht erklären würde. Und dieser geile Blick… der Typ könnte mein Vater sein! Ich verschwand in der Küche, setzte mir Wasser auf für einen Instantkaffee, mein Gesicht spiegelte sich im Schrank und erst jetzt begriff ich es gänzlich. Der Typ hatte mit mir geflirtet, der Arsch dachte, mit so einem kleinen Mädchen hätte er leichtes Spiel. Ich ärgerte mich noch immer, obwohl ich längst im Wohnzimmer saß und an meinem Kaffee nippte. Normalerweise war ich nicht so nachtragend, aber ich wurde auch so noch nie behandelt als Erwachsener. Gedanklich ärgerte ich mich noch eine ganze weile über diesen schmierigen Typen, aber, und dies würde ich mir nie eingestehen, die Aufmerksamkeit hatte mir schon etwas gefallen. Viel Zeit hatte ich nicht darüber nachzudenken, ich brauchte einen neuen Ausweis. Und das schon bis Freitag!

Fortsetzung folgt.


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Kommentare:


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Drako - 04.01.2022 um 17:53 Uhr

Hoffe es geht bald weit freu mich schon drauf 

Scriba - 04.01.2022 um 23:19 Uhr

Vielen Dank, Drako. Es motiviert mich wirklich ungemein, wenn jemand meinen "Schund" lesen mag. ;) Der dritte Teil ist jetzt online gegangen. Viel Spaß beim lesen.

1TAKE! - 31.12.2021 um 14:18 Uhr

Hoffen wir beide mal, so von Autor zu Autor, dass sie sich nicht auf den schmierigen Frank einlässt. Oder sogar noch schlimmer in ihn verliebt. Selbst als Mädchen würde ich im Strahl kotzen. Aber vielleicht verändert er sich ja. Dann würde ich es vielleicht machen.

Scriba - 04.01.2022 um 23:12 Uhr

Den Charakter von Frank habe ich bereits fest verplannt. Mehr dazu in Teil 4. Lass dich überraschen! ;)


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