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Die alte Kapelle III.

Geschrieben von Scriba | Veröffentlicht am 04.01.2022 | MtF MC Other | 3 1086


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Teil 3

Den restlichen Samstag zerbrach ich mir den Kopf darüber, wie ich aus dieser misslichen Lage mit meinem Vermieter Frank herauskommen könnte. Als hätte ich nicht bereits genug Probleme, die sich irgendein Witzbold da draußen im großen Kosmos mit mir erlaubte. Ich hatte es mir auf dem alten Sofa bequem gemacht, mich in einer gemütlichen Decke eingelullt und Google darüber ausgefragt, wie ich Ausweisdokumente fälschen konnte. Im Nachhinein war das wahrscheinlich nicht die cleverste Art und Weise, um mein Problem zu lösen. Aber vielleicht machte ich mir die Sache auch einfach zu kompliziert. Seit heute früh konnte ich eh keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich legte den Laptop zur Seite und zog die Decke etwas höher. Seitdem ich in diesem Körper steckte, war ich gefühlt nur noch am Frieren. Es war Zeit, dass der Sommer sich endlichen Blicken ließ. Ich zog den Kopf in den Nacken, schloss meine Augen und konzentrierte mich auf meine Atmung. Damals hatte mir das immer geholfen, wenn ich Stress hatte.

Wie selbstverständlich kam auch schon der nächste unangekündigte Besuch direkt in mein Wohnzimmer. Es war wieder diese schwarze Katze aus der Kapelle, welche selbst für eine Katze, recht eigenwillig wirkte. „Na, Mieze. Du findest immer einen Weg hinein, oder?“ Wahrscheinlich war die Tür zur Kapelle nicht richtig verschlossen und die Katze suchte wärmere Gefilde, bei Gelegenheit musste ich mir die Tür noch einmal genauer ansehen. Wie bereits bei unserem letzten aufeinandertreffen, hielt sie zu Beginn Abstand und beäugte mich eine ganze Weile, dass es fast schon unheimlich wirkte. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, aber diese schwarze Katze konnte schon verdammt gruselig sein, wenn sie wollte. Erst nach wenigen Minuten bequemte sie sich in meine Richtung und besetzte mein altes Sofa mit einem eleganten Sprung. Sie nahm auf der freien Hälfte des Sofas Platz und leckte sich die Pfoten. Neben ihr lag mein Zeichenblock, ich streckte meine Hand aus, um meinen Zeichenblock von der Katze zu entfernen, damit sie mehr Platz hatte. Sie unterbrach ihre Katzenwäsche, musterte meine Hand aufmerksam, ließ mich gewähren, nachdem sie entschieden hatte, dass ich meinen Block von meinem Sofa greifen dürfte. Ihre Majestät war heute wieder zu gütig! Spontan fiel mir ein, warum ich Hunde definitiv mehr mochte. Während ich Gedankenverloren meinen Block durchsah, kam ich zur letzten Zeichnung an. Wie aus heiterem Himmel verkrampfte ich und mein Herzschlag setzte kurz aus. „Das…. Das hab nicht ich gezeichnet… definitiv nicht!“ Auf der letzten Seite war eine Zeichnung zu sehen, welche mein aktuelles ich darstellte. Die Zeichnung war so detailreich, fein und elegant. Meilenweit von meinem Können entfernt. War jemand in der Kapelle, während ich dort eingeschlafen war? Wer war das? Und warum genau dieses Gesicht? Ich stand auf, schlüpfte in einen meiner überdimensionalen Hoodys und ging zu meiner Geheimtür, sie war noch immer verschlossen. „Du verdammte Katze, wie zum Teufel bist du hier hineingekommen?“ Murmelte ich, während ich die Tür zur dunklen Kapelle betrat. Mit der Taschenlampe meines Handys leuchtete ich alles aus und ging die Treppe der Empore hinab. Auf dem Boden fand ich eine feine Staubschicht, welche davon zeugte, dass schon verdammt lange niemand mehr hier gewesen war. Ich erkannte lediglich zwei unterschiedliche Fußspuren. Die einen stammten von mir, also, meinem alten ich. Diese Kindersärge der Größte 46 würde ich überall wieder erkennen und die anderen Fußspuren stammten von meinem jetzigen ich. Neuerlich kontrollierte ich die zweiflüglige Portaltür, rüttelte daran wie ein Berserker, drückte die Klinke bis zum Anschlag hinab, aber nichts da! Die Tür war zu, niemand ist darüber hineingelangt. Es sei denn, er oder sie könnte durch Wände gehen bzw. fliegen, um keine Spuren am Boden zu hinterlassen. Ich lief zurück zur Empore, vergewisserte mich, dass die Fenster keine Mechanismen aufwiesen, um sie überhaupt zu öffnen. Aber die alten Buntglasfenster waren fest, keine Chance. Als ich zurück in meinem Wohnzimmer kam, hatte sich die Mieze bereits einen neuen Lebensraum gesichert, welcher einst mein Sofa war. Ich quetschte mich ganz an den Rand und schaute die Katze vorwurfsvoll an. Aber diese schnurrte zufrieden und räkelte sich ausgestreckt über das ganze Sofa, ohne überhaupt Notiz von mir zu nehmen. „Das warst du, oder? Du hast mich verwandelt. Sag schon!“ Alles klar Luca! Jetzt versuchen wir also schon ernsthafte Gespräche mit Katzen zu führen… Mit kullerte eine Träne über die Wange, die ganze Anspannung der letzten vierundzwanzig Stunden kam neuerlich in mir auf. Erst jetzt reagierte die schwarze Katze, blickte mich mit ihren großen unergründlichen Augen an und miaute. In Windeseile sprang sie auf und schmiegte sich an mich. Ihr Köpfchen drückte sie erst gegen meinen Oberschenkel, schließlich gegen meinen Unterarm. Laut schnurrend endete ihre Odyssee auf meinem Schoß, auf denen sie sich eingerollt hatte. „Genau wie gestern Abend…“ quittierte ich Gedankenverloren. Dieses Déjà-vu brachte mich auf eine Idee, vielleicht könnte ich zurück in meinen alten Körper, wenn ich wieder mit der Katze auf mir einschlief. Ich ließ mich behutsam, als läge eine Landmiene unter mir, auf den Rücken gleiten. Bedacht, die Katze nicht aufzuschrecken. Ganz vorsichtig graulte ich ihr Köpfchen, schloss die Augen und versuchte einzuschlafen. Es dauerte auch nicht lang bis mich der Schlaf übermannte.

Ich wachte auf, tastete nach der Katze, sie war wieder weg. Der Blick aus dem Wohnzimmerfenster verriet mir, dass es noch sehr früh war, der Himmel war grau und trist. Ein Auto fuhr lautstark an meiner Wohnung vorbei. So lag ich dort noch etwa fünf Minuten, starrte teilnahmslos zur Decke und traute mich nicht zu schauen, ob die Verwandlung geglückt war. Aber irgendwann überkam mich die Neugier und ich tastete meinen Körper ab. Eine winzige Stimme in meinem Kopf hoffte, es hätte nicht funktioniert. Wie konnte ich so etwas nur denken? Gestern früh hatte ich mir noch die Augen aus dem Kopf geheult und nun wollte ich nicht mehr, dass es funktioniert? Was stimmte mit mir nur nicht? Also abgesehen von dieser kleinen Sache da. Mein Hoody, in dem geschlafen hatte, war mir immer noch viel zu groß und ich ertastete meine rechte Brust, welche sich durchs Atmen auf und ab senkte. Ich mochte sie, ich mochte es sie zu berühren. Darin war in erster Linie nichts Sexuelles, es fühlte sich einfach richtig an, aber es fühlte sich auch nach Verrat an. Verrat an meinem wahren ich. Lange hielt es mich nicht mehr auf der Couch, ich ging meiner Morgenroutine nach und beschloss, mein Projekt endlich fertig zu stellen. Meine Überlegungen kreisten den ganzen Sonntag nur um Frank und diesen beschissenen Ausweis. Nachdem ich in einschlägigen Foren über das Fälschen von Dokumenten fündig wurde, glaubte ich, eine Lösung gefunden zu haben. Frank wollte kein Original, er wollte lediglich eine Kopie. Meinen Namen musste ich nicht ändern, da Luca ein Name für beide Geschlechter war, musste ich lediglich das Bild austauschen und die Größe auf der Rückseite. Dies hätte Frank eh nur noch misstrauischer gemacht, da er bereits andere Unterlagen von mir hatte. Die Anschrift konnte auch bleiben, hatte ich doch bereits vor einer Woche meine Wohnanschrift ändern lassen beim hiesigen Einwohnermeldeamt. Beim Ausklügeln meines Planes betrachtete ich meinen Personalausweis und stellte fest, auf diesem war überhaupt kein Geschlecht vermerkt. Ich durchforstete weiterhin das Internet, um eventuell verräterische Zahlen- und Buchstabencodes ausfindig zu machen, welche mich auffliegen lassen könnten. Aber nichts da, keine Gefahr in Verzug. Ich scannte beide Seiten meines Personalausweises ein, beließ es auch bei Schwarz-Weiß, um keine unnötigen Details sichtbar zu machen. Nun brauchte ich nur noch ein Biometrisches Passfoto. Laut Google war sogar ein Laden ganz in meiner Nähe, wo man solche machen lassen konnte. Selbstverständlich musste ich bis morgen warten, am Sonntag hatte hier kaum etwas geöffnet.

Am nächsten Tag, es war Montag, riss mich der Alarm meines Handys aus dem Schlaf. Ich hatte mir meinen Wecker extra auf um 6:30 Uhr gestellt, damit ich gleich gegen 8 Uhr der erste am Laden wäre. Unter der Dusche ließ ich mich etwas länger als nötig mit dem warmen Wasser des Brausekopfes berieseln, ich war wirklich kein Morgenmensch. Meine Verwandlung in eine Frau hatte daran auch nichts geändert. Was sich aber geändert hatte, war meine Geruchsempfinden. Seit Jahren kaufte ich mir nur noch das gleiche Duschgel, es roch intensiv nach Sandelholz und war de facto für alles gut. Haare, Körper und wahrscheinlich hätte Man(n) damit auch sein Auto oder sein schmutziges Geschirr sauber bekommen. Pragmatisch eben. Und der Duft war auch weiterhin angenehm, aber er passte einfach nicht mehr. Es roch, tja, wie roch es? Es roch eben nicht mehr passend. Zu herb, zu schwer, keine Raffinesse.  Als ich aus der Duschzelle stieg, erschallte der schrille Ton meiner Haustürklingel. Vor Schreck wäre ich fast ausgerutscht, wie ich diese Klingel hasse! Schnell in den Bademantel gehuscht, eilte ich zur Tür. Vor mir stand ein junger Mann, als er mich sah, lächelte er mich freundlichen an und nickte. „Guten Morgen, ich habe ein Paket für Sie.“ Es war sehr groß und wahrscheinlich auch schwer. Ohne dass ich ihn darum bat, schob er sich an mir vorbei und stellte es in den Innenflur. „Ich hoffe das war ok, es ist nämlich ziemlich schwer. Dann brauchst Du dich damit nicht abschleppen.“ Wieder lächelte er, diesmal erkannte man die Verlegenheit in seinem Gesicht. Ob er mich testen wollte, weil er gerade vom Sie zum Du gewechselt hat? „Danke, sehr lieb von dir.“ Sagte ich, ohne es unnötig kompliziert zu machen. Ich schätze ihn ein paar Jahre älter als mich, er hatte auffällig schwarzes Haar, mit einem leicht blauen Schimmer, eine Tönung nahm ich an. Um seine Handgelenke trug er Lederarmbänder, die ihm neben seiner Dienstkleidung einen Hauch Individualismus erhalten ließen. „Jetzt hast du endlich etwas zum Anziehen.“ Sein Blick war nun gar nicht mehr so schüchtern, viel mehr frech und herausfordernd. „Ähm, bitte was?“ Er lächelte durchgehend und deutete auf das Paket. Auf der Oberseite prangte ein riesiger Aufkleber eines bekannten Bekleidungsshops. „Ach so, ja, war mal wieder Zeit. Der Sommer kommt bald.“ Seltsam, der Typ stand die ganze Zeit bei mir im Flur und versuchte mich in ein Gespräch zu verwickeln. Normalerweise waren die Lieferfahrer immer in Eile und bekamen bei mir damals nicht einmal ein Hallo auf die Reihe, kommentierten weder meine Bestellung, noch trugen sie mir mein Paket in die Wohnung. Wie von selbst legte ich meinen Kopf leicht schief und erwiderte dezent sein lächeln. Er erzählte mir noch eine ganze Weile von seiner Arbeit, seiner neuen Strecke hier in der Altstadt und das es hier in der Straße wohl einen ziemlich angesagten Club geben soll. Black-Star soll er heißen, dort wäre er ständig und er würde sich freuen, mich dort einmal willkommen zu heißen. Vielleicht sogar diesen Freitag. Das wurde mir echt zu viel, der Typ war nett und sah auch nicht schlecht aus, aber was genau passierte hier eigentlich gerade? Stand der auf mich oder hatte ich den einzigen freundlichen Paketboten in diesem Bundesland angetroffen? Mit einem freundlichen, aber nichts sagenden „Mal sehen.“ verabschiedete ich mich von ihm und schloss die Tür. Als Frau von Fremden gesehen zu werden, veränderte wirklich so viel. Man bekam von Kerlen mehr Aufmerksamkeit, und auch wenn dies schmeichelhaft sein konnte, war es manchmal auch aufdringlich oder unpassend. Besonders wenn man nur im Bademantel und nassen Haaren im Flur stand bei geöffneter Wohnungstür. Was mir wirklich fehlte, war allerdings meine Größe und meine Körperkraft. Noch vor wenigen Tagen hätte ich so ein Paket einfach aufgerissen, aber jetzt musste ich viel mehr mein Köpfchen anstrengen. Ich schob das schwere Paket in mein Schlafzimmer, schnitt es am Deckel mit einem Messer auf und warf die ersten Kleidungsstücke aufs Bett. Der Händler hatte nicht zu viel versprochen, es war wirklich alles drin. Ich war furchtbar neugierig mir alles ganz genau anzusehen, aber ich hatte keine Zeit. Also beschränkte ich mich auf die erst besten Kleidungsstücke, welche ich zu fassen bekam. Als Höschen wählte ich eine Damenboxershorts, welche verdammt eng aussah. Sie war schwarz glänzend, mit dunkelrotem Gummibund und verspielten Rüschen, in der gleichen Farbe wie der Bund, an den beiden Enden des Oberschenkels. Ich zog sie über und war erstaunt, wie gut sie passte. Ja, sie lag eng an, aber sie war viel mehr wie eine zweite Haut. Ich konnte mich darin hin und her bewegen, ohne dass sie meine Bewegungsfreiheit einschränkte. Mit dem Zeigefinger strich ich über jenes feine Gewebe, welches sich so wahnsinnig besser anfühlte als die reinen Baumwollboxershorts, die ich sonst immer trug. Auch im Schritt passte sie sich wunderbar an und drückte nichts ein. Ich versuchte mich auch an den passenden BH, aber nach einer gefühlten Ewigkeit gab ich es auf. Es gelang mir nicht, dieses verdammte Ding zu verschließen. Beim Versuch renkte ich mir fast den Arm aus. Ich beschloss kurzerhand, ohne Büstenhalter hinauszugehen. Nun zeigte sich der Vorteil, meines relativ kleinen Brustumfangs. Neben einen einfachen weisen Shirt mit tiefem V-Ausschnitt, welches auf Taille geschnitten war und gerade so meinen Bauch abdeckte, zwängte ich mich in eine enge Hüftjeans. Zwar hatte ich keinen Ganzkörperspiegel, aber ich erkannte deutlich, wie eng sie saß und wie frech sie meinen Po ausformte. Ich bekam kaum meinen kleinen Finger in die Potaschen und musste über mich selbst lachen, als ich bemerkte, wie ich mein Gesäß hin und her bewegte, um festzustellen, ich welchem Winkel er noch besser zur Geltung kommen würde. Vorher hätte ich mir über solche Dinge auch nicht im Ansatz Gedanken gemacht. Abschließend zog ich mir noch einen hellroten Norwegerpulli über, welcher ebenfalls auf Taille geschnitten war. Die Blau-Weiß gezackten Muster wirkten verspielter als beim männlichen Pendant. Die hellen Turnschuhe passten auch, allerdings war die Qualität entsprechend niedrig. Aber für den Anfang musste dies genügen. Ich machte mich auf den Weg, es war kurz vor 8 Uhr und der Laden müsste bald öffnen.

Fortsetzung folgt...


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Kommentare:


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Drako - 12.01.2022 um 13:34 Uhr

Mach bitte so weiter es macht sehr viel Spaß die geschicht zu lesen und die Details sind klasse  nur jedes Kapitel könnte länger  sein 

Lg Drako 

1TAKE! - 06.01.2022 um 16:28 Uhr

Du sagtest mir, dass deine Kapitel zum Teil fest verplant sind. Das respektiere ich auch, dass du viel Zeit für deine Geschichten nimmst, aber für die Zukunft so einen Profitipp meinerseits: Mache nicht zu wenig Handlung in ein Kapitel, wenn deine Kapitel einzeln erscheinen. Oder, wie man es in der Serienlandschaft sagen würde: baue immer einen Höhepunkt am Ende einer jeden Folge ein, ansonsten verlierst du Zuschauer. Wie gesagt: Ich will dich nicht zu irgendetwas zwingen, aber ein bisschen darauf zu achten würde in der Zukunft für dich guttun.


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